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Information und Einsatz lohnen sich

Kreisbehörde unterstützt Eigentümer denkmalgeschützer Gebäude:

Ausgezeichnete Beispiele für gelungenen Denkmalschutz gibt es allein in Gernsheim am Rhein mehrere: etwa das rote Haus in der Hafenstraße oder das ehemalige Werner Kino. Fotos: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – Manch einer fragt sich vielleicht, warum die unscheinbare Milchküch` im Ort oder die leerstehende Fabrik am Rande der Stadt unter Denkmalschutz stehen. Die Antwort ist aber nicht schwer: Solche Denkmäler dienen dazu, die eigene Geschichte nachvollziehbar zu machen. Denkmalpflege ist daher identitätsstiftend. Aufgabe von Denkmalschutz ist es, das komplette Spektrum des Kulturguts zu bewahren. Dabei geht es sowohl um immaterielles Erbe - wie zum Beispiel Wissen, Traditionen und Bräuche - als auch um Baudenkmäler, die eine wichtige Rolle als sogenannte Erinnerungsanker einnehmen.

Wer heute im Besitz eines Denkmals ist oder ein solches erwerben möchte, sollte sich im ersten Schritt über den Denkmalstatus bei der Unteren Denkmalschutzbehörde (UDB) informieren. „Dies gilt übrigens auch, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Gebäude denkmalgeschützt ist oder nicht“, sagt Lea Pflüger von der UDB des Kreises Groß-Gerau. Nur die Untere Denkmalschutzbehörde oder das Landesamt für Denkmalpflege können hierzu eine verbindliche Auskunft geben.

Wer Eigentümer eines historischen Gebäudes ist, sollte vorsorglich davon ausgehen, dass es sich um ein Denkmal handelt, und vor etwaigen Umbauten eine Bestätigung darüber bei der UDB einholen. Wer dann die Gewissheit hat, dass er im Besitz eines Denkmals ist und um welche Art es sich handelt, benötigt für Umbau- und Sanierungsmaßnahmen eine denkmalrechtliche Genehmigung. „Dieser Verwaltungsakt ist kostenlos“, betont Lea Pflüger. Er hat für die Eigentümer den Vorteil, dass sie Fördermittel und steuerliche Vergünstigungen in Anspruch nehmen können. „Außerdem kann sie die Untere Denkmalschutzbehörde beraten und ihnen durch den Sanierungsprozess helfen. Dies kann eine große Unterstützung sein, wenn man sich mit Fragen zu historischen Baustoffen und zur Gestaltung konfrontiert sieht“, sagt die Fachfrau.

Eigentümer und Eigentümerinnen eines Kulturdenkmals sollten aufgeschlossen und flexibel sein. Denn unvorhergesehene Entwicklungen oder auch Kostensteigerungen sind möglich. Zudem sollten sie bereit sein, außerhalb der gängigen Baupraktiken zu handeln. Die Liebe zum eigenen historischen Objekt hilft dabei. Denn eins ist klar: Die Sanierung eines Baudenkmals ist nicht vergleichbar mit einem Neubau. Im Vordergrund steht hierbei der Erhalt historischer Substanz und der Authentizität des Gebäudes, nicht die effizienteste Bauweise oder die größtmögliche Ausnutzung des Grundstücks.

Und warum der ganze Aufwand, fragt sich da so mancher, der vielleicht noch kein Bewusstsein für den Wert alter Gemäuer entwickelt hat. Dafür hat die UDB eine gute Erklärung: Denkmäler sind in der Mitte der Gesellschaft verankert - fast jeder kennt Kulturdenkmäler in seiner unmittelbaren Umgebung. Das Verschwinden solcher Gebäude wäre ein großer und unwiederbringlicher Verlust – der manchem vielleicht erst im Nachhinein bewusstwürde.

Denkmalschutz kann immer nur so erfolgreich sein, wie er Resonanz in der Bevölkerung und bei den Eigentümern findet. Denkmalbesitzer tragen daher aktiv zum Erhalt der Kulturgeschichte bei und leisten so einen wertvollen Dienst für die Gesellschaft, dankt die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises Groß-Gerau.

Wer Informationen zum Thema Denkmalschutz braucht, kann sich an die Kreisverwaltung Groß-Gerau wenden: Lea Pflüger, Telefon 06152 98984050, Mail l.pflueger@kreisgg.de.

Hintergrund:

Hessen hat eine besondere Beziehung zum Denkmalschutz. Hier wurde das erste moderne Denkmalschutzgesetz Deutschlands im Jahr 1902 erlassen. Auch heute ist Hessen noch immer Vorreiter in Sachen Denkmalpflege: Der Schutz von Kulturgut ist in der Landesverfassung verankert. „Die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und Kultur sowie die Landschaft genießen den Schutz und die Pflege des Staates und der Gemeinden. Sie wachen im Rahmen besonderer Gesetze über die künstlerische Gestaltung beim Wiederaufbau der deutschen Städte, Dörfer und Siedlungen“, heißt es in Artikel 62 der hessischen Verfassung. Das Hessische Denkmalschutzgesetz (HDSchG) regelt in 32 Paragraphen die Umsetzung dieser Vorschrift, die jeweiligen Zuständigkeiten, Pflichten von Eigentümern und vieles mehr.

Hervorzuheben ist, dass die Zuständigkeiten dabei auf drei Behörden verteilt wurden:

  1. Obere Denkmalschutzbehörde: Hierbei handelt es sich um den/die zuständige(n) Minister*in.

  2. Untere Denkmalschutzbehörde: Diese ist im Kreis Groß-Gerau innerhalb der Bauaufsicht angesiedelt.

  3. Denkmalfachbehörde: Die Fachbehörde ist das Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden.

Zu betonen ist, dass die Untere Denkmalschutzbehörde (UDB) und die Denkmalfachbehörde gleichgestellt sind. Die UDB übernimmt vor allem die praktische Beratung von Denkmalbesitzern und ist für die Durchsetzung des Denkmalschutzgesetzes zuständig, wohingegen das Landesamt über Fördermittel entscheidet, fachlich beratend tätig ist und Forschungs- und Aufklärungsarbeit zur Denkmalpflege leistet.

 

 

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