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Für die Zukunft arbeiten

Biolandwirtschaft im Kreis Groß-Gerau: Röderhof in Trebur:

KREIS GROSS-GERAU – Wenn in den Medien von Landwirtschaft in Deutschland die Rede ist, dann nehmen die Klagen kein Ende. Vom Höfesterben ist die Rede, von „überzogenen Umweltanforderungen“ durch die Politik und von uneinsichtigen Verbrauchern, die sich weigerten, angemessene Preise für Lebensmittel zu bezahlen. Bei Stefan Metzger (50) vom Röderhof am Rand von Trebur ist das anders. Obwohl es bestimmt auch kein reines Honigschlecken ist, seinen Biobauernhof mit dem angeschlossenen Hofladen durch Klimawandel und Pandemie zu steuern, vertraut er mit seiner Familie auf die eigene Kraft und die seiner Mitstreiter. Denn auf dem Röderhof fühlt man sich dafür zuständig, dass man für eine Zukunft arbeitet, in der nicht gegen, sondern mit der Natur gearbeitet wird.

Der Röderhof erinnert in seiner Konzeption ein wenig an die „gute alte Zeit“, so wie es sie sonst nur noch in alten Bilderbüchern vom Leben auf dem Bauernhof gibt. Da picken die Hühner auf einer grünen Wiese nach Leckerbissen. Da vergnügt sich die Herde der Galloways-Rinder auf denselben - sommers wie winters. Ein herzerwärmender Anblick, wenn man die niedlichen Zotteltiere im Familienverbund sieht. Hier werden die Kälber nicht von den Muttertieren getrennt. „Mutterkuhhaltung mit extensiver Grünlandbewirtschaftung“ nennt sich das im Agrardeutsch, erklärt Stefan Metzger.

Zum Erfolgsrezept gehört dann freilich auch die Direktvermarktung im eigenen Hofladen. Den gibt es seit 2004. Überraschend die Vielfalt der dort präsentierten Fleisch- und Wurstwaren, die in eigener Regie und selbstverständlich auch nach strengen Biorichtlinien hergestellt werden.  Das gilt nicht zuletzt für die verwendeten Gewürze. Auch Vegetarier kommen auf ihre Kosten: Honig, Eier und alle möglichen Produkte von den Streuobstwiesen, die ebenfalls zum 35 Hektar umfassenden Betrieb gehören, finden sich im Angebot. Nicht alles davon wird direkt auf dem Röderhof produziert. Stefan Metzger setzt auf Zusammenarbeit mit Berufskollegen, die die gleichen Ziele verfolgen.

Das Projekt „Ökolandbau Modellregion Süd“ hat für die Entwicklung des Röderhofs bisher keine Rolle gespielt. Was aber nicht heißt, dass der Landwirt sie für unnütz hält. Zum Beispiel durch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit für umweltgerechte, regionale und ökologische Landwirtschaft. Diese Öffentlichkeitsarbeit sei auch notwendig als Gegengewicht zur Lobbyarbeit der mächtigen Konzerne, die an der konventionellen Landwirtschaft verdienen, sagt er.

Stefan Metzger und viele seiner Mitstreiter sind eigentlich recht zuversichtlich, dass die Chancen für ein gesellschaftliches Umdenken gar nicht so schlecht stehen. Er würde sich wünschen, dass die Verbraucher es honorieren, dass Biolandwirtschaft auch aktiver Kampf gegen den Klimawandel bedeutet. Beispiel: die Humusbildung auf ökologisch bewirtschafteten Flächen. „Das trägt nachweislich zur Kohlendioxidbindung und damit zum Klimaschutz bei“, sagt er.

Überhaupt der Klimawandel. Den sieht Stefan Metzger als „eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. Arbeitet die Landwirtschaft doch mit dem Wetter. Regen, Schnee, Frost und Trockenheit gehören seit jeher zum Berufsalltag. Verändern sich hier die Parameter hin zu längeren Trockenperioden und größeren Niederschlagsereignissen wie Gewitter etc., wird es schwieriger, sich hierauf einzustellen.“ Eine andere Schwierigkeit sieht er darin, dass es für Ökolandwirte immer schwieriger wird, Acker- und Grünland zu angemessenen Preisen zu pachten. Da sieht er nicht nur die Konkurrenz der konventionellen Landwirte, sondern auch den immer weiter zunehmenden Flächenverbrauch außerhalb der Landwirtschaft als bedenklich an.

Trotzdem ist ihm bewusst, dass nicht wenige seiner Berufskollegen, die als konventionelle Betriebsleiter um ihre Zukunft fürchten, sich ausrechnen, dass sie im Ökobetrieb möglicherweise bessere wirtschaftliche Bedingungen erzielen können.  Metzger meint, dass es im allgemeinen Interesse liegt, wenn er und andere Ökobetriebe diesen Skeptikern ihren Betrieb, die damit verbundenen Abläufe und deren Nutzen für Natur und Umwelt demonstrieren - und sie so überzeugen können, dass sich der Umstieg lohnt. Die Entwicklung des Biomarkts schätzt Stefan Metzger vom Röderhof positiv ein, weil das Interesse der Verbraucher zunimmt. Sein Ziel: Bio für jedermann und jede Geldbörse. „Bio-Lebensmittel dürfen kein Luxusgut sein!“

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