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Fachveranstaltung „Queer denken“:

Regenbogenkompetenz entwickeln

KREIS GROSS-GERAU – Mehr als 60 Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und Beratung sowie einige Lehrkräfte und Kreispolitiker begrüßte Landrat Thomas Will zur Fachveranstaltung „Queer denken - geschlechtliche und sexuelle Vielfalt im Jugendalter“. Die Fachveranstaltung am 9. November im Landratsamt  wurde vom Jugendbildungswerk des Kreises, dem Büro für Frauen und Chancengleichheit und vom pro familia-Kreisverband Groß-Gerau angeboten.

„Es geht darum, alle möglichen sexuellen Orientierungen wahrzunehmen, nicht  auszugrenzen, zu verschweigen oder zu diskriminieren“, sagte der Landrat in seiner Begrüßung. „In Schule und Jugendarbeit oder in Beratungsangeboten werden lesbische, schwule, bisexuelle oder  trans* und queere Lebensweisen bislang wenig oder überhaupt nicht diskutiert. Hier gilt es, die Fachkräfte zu sensibilisieren und zu qualifizieren, damit die Diskriminierung von Jugendlichen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität abgebaut wird und damit Jugendliche in diesem schwierigen Prozess der Identitätsbildung Unterstützung finden.“ Dies zu erreichen, mache man sich im Kreis Groß-Gerau mit dieser Fachveranstaltung gemeinsam auf den Weg.

Wie dringend notwendig das ist, zeigten Untersuchungsdaten, die Professor  Dr. Stefan Timmermanns von der Frankfurt University of Applied Sciences in seinem Vortrag: „Coming-out und dann …?“ mitbrachte. Er gab einen fundierten Einblick in Forschungsergebnisse zur  Lebenssituation von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans*geschlechtlichen (LSBT) Jugendlichen in Deutschland. LSBT-Jugendliche finden in ihrem oft langen Coming-out-Prozess kaum Akzeptanz und Unterstützung. Sie sind überproportional selbstmordgefährdet und leiden häufiger an psychischen Erkrankungen, zum Beispiel an Depressionen. An Bildungs- und Arbeitsorten werden sie beschimpft, ausgegrenzt, leiden unter Gewalt oder auch unter Ignoranz.

Professor Timmermanns forderte alle Fachkräfte dazu auf, „Regenbogenkompetenz“ zu entwickeln, um professionell und diskriminierungsfrei mit dem Thema und mit Jugendlichen umgehen zu können. Schule und Jugendhilfe hätten viele Unterstützungsmöglichkeiten, sei es beim Schutz vor Diskriminierung oder bei der Behandlung des Themas „geschlechtliche und sexuelle Vielfalt“ im Unterricht. Darüber hinaus brauche es spezielle Angebote für Jugendliche und Informationsveranstaltungen für Eltern.

In drei angeleiteten Workshops ging die Veranstaltung nach dem Vortrag der Frage nach, welche Arbeitsaufträge und Handlungsansätze sich aus dem Gehörten für die Arbeit mit Jugendlichen ergeben, um die Lebenssituation der LSBT-Jugendlichen im Kreis Groß-Gerau in Zukunft verbessern zu können. Florian Cristobal Klenk von der TU Darmstadt ergänzte im Workshop „Impulse für die Jugendarbeit“ den Vortrag von Professor Timmermanns aus medialem Blickwinkel und lud ein, bestehende Heteronormativität zu hinterfragen.

Anna Schubert von pro familia Marburg stellte das Lokalprojekt SCHLAU Marburg_Gießen vor. Es ist eines von fünf SCHLAU-Projekten in Hessen und hat die schwul-lesbisch-bi-trans*-Aufklärung für Schulklassen und junge Menschen zum Ziel. Maarja Junolainen und Dirk Simon vom pro familia-Kreisverband Groß-Gerau leiteten den Workshop für Beratungsstellen an.

Im abschließenden Plenum wurde deutlich, dass es noch großen Bedarf gibt, weiterhin „queer“ zu denken und sich auseinanderzusetzen, um das Thema in den Institutionen zu verankern und um die Alltagspraxis in der Jugendarbeit, der Beratung und in der Schule voran zu bringen. Das Jugendbildungswerk stellt in Kürze eine ausführliche Liste mit Fachliteratur, Methoden, Handreichungen, Kinder- und Jugendbüchern und vielen Links zum Thema als Download auf der Homepage des Kreises Groß-Gerau im Bereich Kreisjugendförderung / Jugendbildungswerk - Fortbildungen / Fachtagungen bereit. Darin enthalten ist auch der Link zum Forschungsprojekt „Coming-out – und dann…?!“ vom Deutschen Jugendinstitut, auf das sich der Vortrag von Professor Timmermanns bezog.

Weitere Informationen gibt es beim Jugendbildungswerk des Kreises Groß-Gerau, Telefon 06152 989-451 (Peter Schlimme) und 06152 989-468 (Alexandra Zerl), E-Mail jbw@kreisgg.de.

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