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Erstes Bildungsfrühstück des Kreises Groß-Gerau:

Lebhafter Austausch über Schule

Beim ersten Bildungsfrühstück des Kreises diskutierten (von links) Schulleiterin Sabine Koch, Landrat Thomas Will, Moderator Udo Döring, Bürgermeister Stefan Sauer und Kreiselternbeiratsvorsitzender Stefan Stein. Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – Gute Bildung wollen alle – nur bezahlen will sie keiner. Unter dieser Überschrift hat Landrat Thomas Will zum ersten Bildungsfrühstück des Kreises Groß-Gerau eingeladen. Premiere war in der Mensa der Luise-Büchner-Schule (LBS) in Groß-Gerau. Die lockeren, rund zweistündigen Treffen mit moderiertem Podiumsgespräch und leckerem Frühstück dienen dem Austausch über die Aufgaben und Notwendigkeiten der Bildungspolitik im Kreis. Mit dem Landrat auf dem Podium saßen der Bürgermeister der LBS-Standortkommune, Stefan Sauer, Schulleiterin Sabine Koch und der Vorsitzende des Kreiselternbeirats, Stefan Stein.

Moderator Udo Döring leitete die Fragerunde locker ein mit Bemerkungen zum Schulfrühstück früher und heute. Dann ging es zur Sache: Der Kreis hat sich um 45 Schulen in 130 Gebäuden und auf 47 Liegenschaften zu kümmern. Rund 23.000 Schülerinnen und Schüler gibt es in den Schulen. Wie bewältigt der Landkreis angesichts dieser Zahlen den Spagat, allen Anforderungen gerecht zu werden, fragte der Gesprächsleiter. Das gab dem Landrat Gelegenheit, vor den rund 40 Gästen die aktuellen Rahmenbedingungen zu beschreiben und damit verbunden die Notwendigkeit, auch künftig ausreichend Finanzmittel in der – von den Kreiskommunen gespeisten – Schulumlage zu haben.

„Der Kreis erlebt weiterhin Bevölkerungszuwachs – was auch steigende Schülerzahlen bedeutet. Die Rückkehr zu G9 und eine längere Schulzeit für viele junge Menschen bewirken zusätzlich, dass mehr Räume in den Schulen benötigt werden“, so Thomas Will. Und für die räumliche Infrastruktur ist der Kreis zuständig. Brandschutzauflagen und Energiekosten sind einzukalkulieren. Dazu kommen Aufgaben wie Inklusion, Ganztagsschule, Schülerbeförderung und Schulsozialarbeit. All dies sind Grundlagen für den erfolgreichen Unterricht – für den wiederum das Land zuständig ist (Personal, Lehrpläne).

 

Bildung ist allen wichtig, bestätigte Groß-Geraus Bürgermeister. Stefan Sauer betonte in der Diskussion aber mehrfach, dass er sich wünscht, die Kommunen würden stärker eingebunden, wenn es um die Mittelverwendung durch den Kreis geht. Groß-Gerau gebe rund acht Millionen Euro pro Jahr in die Schulumlage. „Wir stehen bei der Schulsanierung gewiss nicht hintan und ich bin dankbar, wie sich der Schulstandort Groß-Gerau entwickelt hat“, sagte Sauer, aber er wünsche sich eine stärkere Beteiligung der Bürgermeister. Auch Nauheims Bürgermeister Jan Fischer, der im Publikum saß, beschrieb das Spannungsfeld: „Bildung kostet Geld – Geld, das ich in der Gemeinde nur einmal ausgeben kann.“

Landrat Will sieht diesen Punkt ebenfalls. Es sei allerdings ein Gesamtproblem im Bund: „Für Bildung ist insgesamt zu wenig Geld im System. Und dann wird einfach die kommunale Seite für zentrale Aufgaben herangezogen.“ Allerdings versuche man das Beste aus den vorhandenen Mitteln zu machen. Zum Beispiel durch enge Abstimmung mit den Schulen und mit dem Schulamt, verwies Thomas Will etwa auf das Modellprojekt „Schule gemeinsam verbessern“. „Die Raumprogramme werden eng mit den pädagogischen Notwendigkeiten abgestimmt.“ Auch die Schulsozialarbeit spiele im Kreis Groß-Gerau eine wichtige Rolle. Ein weiterer Ausbau wäre im Sinne des Landrats, der zudem die demokratischen Abläufe bei der Verwendung der Mittel aus der Schulumlage beschrieb.

Stefan Stein vom Kreiselternbeirat sagte, die öffentliche Aufklärung über das Thema Schulumlage und darüber, warum sie politisch ein Thema ist, sei wichtig und sehr gut.  Er appellierte an die anwesenden Eltern, an der politischen Willensbildung teilzunehmen und sich über die Elterngremien, über Landes- und Bundesebene etwas zu bewegen, um Bildungsvoraussetzungen zu verbessern. Denn „das Geld reicht nicht ansatzweise. Aber Schulausbildung ist wichtig, denn was wir in die Schüler investieren, kommt später zurück. Stichwort Rentenversorgung“, so Stefan Stein.

Schulleiterin Sabine Koch, deren LBS ab dem kommenden Jahr modernisiert werden soll, betonte, Bildung hänge viel von Personen ab – und selbstverständlich vom Umfeld, das die Schule biete, von der Atmosphäre. Wichtig sei es, dass die Protagonisten miteinander reden, um Verbesserungen zu erreichen. Das Bildungsfrühstück biete gute Gelegenheit zur Kommunikation.

Auf dem Podium gab es denn auch einen freien Stuhl, der immer wieder von anderen Rednerinnen besetzt wurde. Sie sprachen zum Teil pädagogische Fragen an, für die der Kreis streng genommen nicht zuständig ist, die aber dennoch diskutiert wurden. Unter anderem erzählte Schulleiterin Edith Fritz-Knierim von den Gegebenheiten in ihrer Stockstädter Grundschule und konstatierte: „Ganztag-Qualität kostet Geld.“ Ganztagsbetreuung brauche qualifiziertes Personal in ausreichender Zahl und genug Räume.

Das Thema Betreuung an Grundschulen nahm am Beispiel der Schillerschule Groß-Gerau am Ende des Bildungsfrühstücks noch einigen Raum ein. Besucherin Sandra Helms sprach in diesem Zusammenhang von einer „zu kurzen Decke, die nach links und rechts gezogen“ wird, aber nie ausreiche. Was die Schillerschule und dort fehlende Hortplätze betrifft, versprach der Landrat, sich rasch für eine pragmatische Lösung einzusetzen. Außerdem soll beim nächsten Bildungsfrühstück ein Vertreter/eine Vertreterin des Landes/vom Schulamt dabei sein.

Die nächsten Termine sind am 26. August (Martin-Niemöller-Schule Riedstadt) und am 11. November (Georg-Mangold-Schule Bischofsheim), jeweils von 10 bis 12 Uhr. Die Bildungsfrühstücke werden vom Filmteam Riedkult aufgezeichnet. Auszüge daraus sind später im Internet abrufbar.

 

 

 

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