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Erfolgreiche Gründungsversammlung

Neuer Landschaftspflegeverband im Kreis nimmt Arbeit auf

Der frisch gewählte Vorstand des Landschaftspflegeverbandes (es fehlte Ilka Linke): Marcus Kretschmann, Reinhard Lukas, Frank Flasche, Sascha Komm, Jochen Engel, Horst Müller, Walter Astheimer, Thomas Winkler, Wolfgang Hedderich, Wolfgang Patczowsky und Alfred Kunert (von links). Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – Nach intensiver Prüfung, Diskussion und Vorbereitung war es am 12. November 2020 in Riedstadt-Goddelau soweit: Der Landschaftspflegeverband (LPV) Kreis Groß-Gerau wurde gegründet. Rund 40 Gründungsmitglieder kamen unter strengen Corona-Auflagen zusammen, stimmten über die Satzung und die Vorstandsmitglieder ab und machten so den Weg frei für die Eintragung beim Amtsgericht.  

Die Anfänge dieser Vereinsgründung gehen auf eine Initiative der Grünen im Kreistag zurück, bei der die Verwaltung beauftragt wurde, die Gründung eines Landschaftspflegeverbands zu prüfen. Umweltverbände hatten schon geraume Zeit darauf hingewiesen, dass manche Ausgleichsflächen entweder nicht wie vorgesehen hergestellt wurden oder sich in einem schlechten Zustand befanden. Darum war die Verwaltung zum Handeln aufgefordert.  

Im Rahmen eines Projekts der Interkommunalen Zusammenarbeit (IKZ) stimmten 2018 13 Kommunen einer Arbeitsgruppe zu, die eine Vereinsgründung prüfen und dann umsetzen sollte. Ziele des LPV sind vor allem die Verbesserung der Pflege wertvoller Flächen im Kreisgebiet, die Förderung der biologischen Vielfalt, die gleichberechtigte Zusammenarbeit von Kommunen, Landwirtschaft und Naturschutz und die Wissensvermittlung.

Finanziert wird der Landschaftspflegeverband zum einen über die Mitgliedsbeiträge, zum anderen aus Förder- und Projektmitteln. So unterstützt das Land Hessen ausdrücklich die Gründung von Landschaftspflegeverbänden im Rahmen einer Förderrichtlinie mit nicht unerheblichen Beträgen. Dr. Dietmar Simmering vom Deutschen Verband für Landschaftspflege, Koordinierungsstelle Hessen, war eigens nach Riedstadt gekommen, um die Vereinsgründung mit seinem Fachwissen zu unterstützen. 

Die Gründungsversammlung fand großes Interesse. Beigetreten sind sieben Kommunen und der Kreis, 13 Landwirte und 13 Naturschutzvereinigungen. Zwölf Vorstandsmitglieder wurden in Goddelau gewählt. Ilka Linke (Vorstandssprecherin), Alfred Kuhnert, Wolfgang Patczowsky und Wolfgang Hedderich vertreten die Gruppe Naturschutz. Frank Flasche (Vorstandssprecher), Sascha Komm, Reinhard Lukas und Horst Müller sitzen für die Gruppe Landwirtschaft im Vorstand des LPV. Die Gruppe der Kommunen wird vertreten durch Walter Astheimer (Kreis Groß-Gerau), Jochen Engel (Trebur), Marcus Kretschmann (Riedstadt, Vorstandssprecher) und Thomas Winkler (Mörfelden-Walldorf). Als Vorstandsvorsitzender wurde Marcus Kretschmann gewählt. 

Kaum war der LPV gegründet, begann gleich die Arbeit. Der Vorstand tagte, um erste Beschlüsse für das Arbeits- und Maßnahmenprogramm und den Einzug der Beiträge zu fassen. Bis zur Besetzung der Geschäftsstelle übernimmt die bisherige Projektgruppe das operative Geschäft.  

Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer sieht den LPV im Kreis Groß-Gerau für die Zukunft bestens vorbereitet und freut sich auf die Arbeit: „Ich wünsche mir und dem LPV eine konstruktive, verständnisvolle und kooperative Zusammenarbeit. Damit die Landschaftspflege im Kreis gut organisiert wird, viele neue gute Ideen geboren und umgesetzt werden und wir am Ende mit einer großen Arten- und Lebensraumvielfalt belohnt werden, die auch unsere Bevölkerung zu schätzen weiß.“

Vorstandsvorsitzender Marcus Kretschmann bekräftigt die „Aufbruchsstimmung der Vereinsgründung“ als guten Start in eine erfolgreiche Zusammenarbeit – um die Qualität der Landschaftspflege dort zu bewahren, wo diese erfolgreich ist, und dort zu verbessern, wo sie noch zu wünschen übriglässt. 


Zum Hintergrund: 

Ein im Jahr 2014 bei der Uni Kassel (Prof. Andreas Mengel) in Auftrag gegebener Prüfauftrag untersuchte sehr heterogene sechs Pilotkommunen im Kreis Groß-Gerau. Am Ende gab es eine deutliche Empfehlung von den Gutachtern: Ein Landschaftspflegeverband (LPV) kann Unterstützung bieten. Um das Thema LPV noch intensiver mit den Kommunen zu bearbeiten, wurde es schließlich im November 2018 ein Projekt der Interkommunalen Zusammenarbeit im Kreis Groß-Gerau. 

Dabei lauteten die strategischen Ziele:

  • Verbesserung der Landschaftspflege im Kreis Groß-Gerau durch Gründung eines Landschaftspflegeverbands

  • Verbesserung der Pflege von Ausgleichsflächen als öffentliches Gut, öffentlichen Grünflächen und kommunalen Flächen mit hohem naturschutzfachlichen Wert

  • Förderung von Projekten im Rahmen der hessischen Biodiversitätsstrategie

  • Erhalt und Förderung der biologischen Vielfalt und damit Berücksichtigung der hohen naturschutzfachlichen Bedeutung des Kreises Groß-Gerau als Hotspot der biologischen Vielfalt

    Und die operativen Ziele:

  • Bündelung von Fachwissen

  • Einheitliche Aufgabenwahrnehmung

  • Umsetzung politischer Beschlüsse zur Biodiversität

  • Fortbildung der Mitarbeiter*innen in kommunalen Bauhöfen

  • Installation und Fortführung eines Baum- und Grünflächenkatasters

 

Eine Projektgruppe aus zehn Mitarbeiter*innen von Kommunen und Kreis arbeitete konstruktiv an diesen Themen. Im November 2019 lag dann der Endbericht an die IKZ-Lenkungsgruppe vor. Die Empfehlung lautete, einen Landschaftspflegeverband zu gründen. Nun ging die Projektgruppe an die Umsetzung: Satzung, Beitragsordnung, Beschlussvorlagen waren zu erarbeiten, viele andere operative Fragen zu klären. Außerdem mussten die unverzichtbaren Partner*innen aus den Umweltverbänden und der Landwirtschaft eingebunden werden. 

Bis Ende Mai dieses Jahres hätten alle Kommunen und der Kreis ihre Beschlüsse zum Beitritt zum LPV gefasst haben sollen. Dann kam Corona und hat die Beschlüsse bis Ende August verzögert. Sieben Kommunen und der Kreis haben positive Beschlüsse gefasst und die Gründung vorbereitet.  

Parallel dazu hat das Land Hessen im Koalitionsvertrag die Gründung von Landschaftspflegeverbänden in ganz Hessen festgelegt und gerade in diesem Jahr eine Förderrichtlinie beschlossen. Somit werden zu gründende LPV mit sechsstelligen Beträgen unterstützt, wenn auch Schutzgebiete, Lebensraumtypen, Arten und der Biotopverbund von der Arbeit profitieren. 

Das ist im Kreis Groß-Gerau der Fall: Er weist eine große Vielfalt an naturschutzfachlich hochwertigen Lebensräumen auf, die schützenswert und dauerhaft zu erhalten sind. So finden sich im Kreis neben einer Reihe von Schutzgebieten ebenfalls wertvolle Biotope wie Streuobstwiesen und extensiv genutzte Feuchtgrünländer. Darüber hinaus zählt der Kreis Groß-Gerau zu einem von insgesamt 30 Hotspots der Biodiversität in Deutschland. Viele dieser wertvollen Flächen sind auf eine speziell angepasste Landschaftspflege oder Bewirtschaftung angewiesen.

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