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Erfolgreich in der Männerdomäne

Andrea Brachert-Dirndorfer leitet ein Fahrrad-Fachgeschäft

KREIS GROSS-GERAU – „Weiblich – selbständig – erfolgreich“: Unter diesem Motto stellt das Büro für Frauen und Chancengleichheit des Kreises Groß-Gerau in loser Folge Unternehmen aus dem Kreis vor, die erfolgreich von Frauen geleitet werden. In dieser Reihe weiblicher Unternehmensportraits werden auch Tipps beim Weg in die Selbstständigkeit aufgezeigt und das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. Pflege beleuchtet. Heute steht das Groß-Gerauer „Fahrradhaus Gescheidle“ im Mittelpunkt.

Seit genau 11 Jahren ist Andrea Brachert-Dirndorfer Inhaberin des Fahrradhauses Gescheidle in Groß-Gerau. Das 1931 von ihrem Großvater gegründete Geschäft führt die gelernte Zweiradmechanikerin gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Christine Ferchow-Ewald. Als Jugendliche wollte sie eigentlich ins Kfz-Gewerbe einsteigen, doch ihr Vater erlaubte das nicht, weil schon die Schwester ins Kraftfahrzeug-Handwerk eingestiegen war: „Also lernte ich bei meinem Großvater Zweiradmechanikerin.“ Nach beruflichen Stationen im Rheinland und  nach dem Tod der Mutter kehrte Andrea Brachert-Dirnhofer schließlich 2003 nach Groß-Gerau zurück und übernahm das elterliche Unternehmen.

In den ersten Jahren verkaufte das Traditionsgeschäft neben Fahrrädern auch Kinderwagen und Nähmaschinen. „Jetzt konzentrieren wir uns auf Citybikes, Trekkingräder, Cruiser und Elektroräder, Kinder- und Jugendräder sowie Räder für jung bis alt“, so Brachert-Dirndorfer. Schwerpunkte ihrer Tätigkeit sind zum einen der Verkauf und zum anderen die Inspektion und die Reparatur von Fahrrädern. „Sollte aber jemand mit einem kaputten Kinderwagen oder Rollstuhl vorbeikommen, helfen wir auch dabei selbstverständlich weiter oder erfüllen Spezialwünsche“, erklärt die engagierte Mechanikerin. Stolz führt sie ein sogenanntes „Handbike“ vor, das Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer allein durch die Bewegung ihrer Arme antreiben können.

Das Reparieren und Konstruieren von Spezialanfertigungen macht Andrea Brachert-Dirnhofer viel Spaß, Sorgen bereiten ihr aber der enorme Preisdruck der großen Handelsketten und der stark expandierende Internethandel. Der Zwei-Frauenbetrieb lebt hingegen von einer treuen Stammkundschaft, zu denen Männer und Frauen aller Altersklassen zählen. Gerade im individuellen Kundenservice und im persönlichen Kontakt sieht die Inhaberin ihre Stärke gegenüber großen Firmenketten. „Viele meiner Kundinnen und Kunden kenne ich schon seit Jahren, und wir plaudern auch mal über private Sachen.“

Manchmal spürt das Frauenduo immer noch, dass sie in einer typischen Männerdomäne arbeiten: „Ab und zu kommen Männer ins Geschäft, die dann nicht mit mir, sondern mit „dem“ Monteur sprechen wollen. Die sind ziemlich verdutzt, wenn ich sage, „der“ Monteur“ steht gerade vor Ihnen“. Nach vielen Jahren Erfahrung hat es das weibliche Team aber gut gelernt, sich durchzusetzen und zu behaupten. „Wenn eine männliche Aushilfe kommt, wird der auf Herz und Niere geprüft und lernt schnell unseren eher derben Humor kennen“, erzählt die Firmenchefin lachend.

An ihrer Selbstständigkeit schätzt Andrea Brachert-Dirnhofer besonders das enge Miteinander mit ihrer Kollegin und guten Freundin Christine Ferchow-Ewald. Bereits seit 25 Jahren arbeiten die beiden zusammen: „Absprachen werden zwischen uns sehr individuell getroffen, und die Arbeitszeiten können flexibel gestaltet werden“. Im Umgang mit ihrer Mitarbeiterin sind ihr zwei Dinge besonders wichtig: Verständnis zeigen, dabei aber trotzdem eine klare Linie vorgeben.

Für ihre Zukunft wünscht sich die Zweiradmechanikermeisterin, dass sie ihre Existenz im eigenen Fahrradladen bis zu ihrer Rente sichern kann. „Mir ist bewusst, dass ich keine Reichtümer anhäufen und dafür dennoch auch weiterhin eine 60-Stunden-Woche haben werde. Hauptsache, ich kann im Wettbewerb bestehen“. Da ist es für sie dann auch kein Wunder, dass ihre einzige Tochter das Fahrradhaus wohl nicht übernehmen wird: „Sie geht ihren eigenen Weg, aber das respektiere ich.“

Frauen, die selbstständig werden möchten, rät sie, diesen Schritt sorgfältig zu planen und sich insgesamt für den Berufsalltag eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit zuzulegen. Für sich selbst zieht Andrea Brachert-Dirnhofer eine positive Bilanz: „Meine Arbeit erfüllt mich. Meine Fahrräder stehen für Qualität, Spaß und Lebensfreude. Und ich werde mir auch weiterhin die Zeit nehmen, meine Kundschaft ausführlich zu beraten und auf Sonderwünsche einzugehen.“

Kontakt: Fahrradhaus Gescheidle, Jahnstraße 2, 64521 Groß-Gerau, Telefon 06152 3666, fahrradhaus-gescheidle@web.de, www.fahrradhaus-gescheidle.de; Kreisverwaltung Groß-Gerau, Büro für Frauen und Chancengleichheit, Telefon 06152 989-478 (Sylvia Schießer), s.schiesser@kreisgg.de.

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