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Ein Dach überm Kopf reicht nicht

Beim Tag des Ehrenamts stellen sich Flüchtlingshelfer vor

KREIS GROSS-GERAU – „Alles Große in unserer Welt geschieht nur, weil jemand mehr tut als er muss“ – mit diesem Zitat von Hermann Gmeiner, dem Vater der SOS-Kinderdörfer, hat Landrat Thomas Will am Tag des Ehrenamts das Engagement der vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer im Kreis Groß-Gerau gewürdigt. Der Kreis verneige sich vor jenen, die mit ihrem Einsatz zeigten, dass sie auch für andere da seien, sagte der Verwaltungschef. Landrat Will hatte in den Büchnersaal im Landratsamt eingeladen, um den vielen „Ehrenamtlichen“ in den Städten und Gemeinden Dank und Anerkennung auszusprechen.

Rhythmischer Riedblues beim Musik-Trio „Handkäs mit Orange“, sprühender  Wortwitz beim kabarettistischen Überraschungsgast Franz Josef Euteneuer und Nachdenkenswertes bei den ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen um die Koordinatoren im Kreis Groß-Gerau, Marco Bresciani (Caritasverband) und Cornelia Bertram (Diakonisches Werk Hessen und Nassau): Die rund 200 Anwesenden im Büchnersaal erlebten eine anregende und informative Feierstunde rund um das Ehrenamt. Besonders der scharfsinnige Kabarettist Euteneuer, der passend zur Jahreszeit im Nikolauskostüm auftrat, nahm Erfahrungen aus und mit dem Ehrenamt auf die Schippe und sorgte so immer wieder für Lachsalven.

Landrat Thomas Will hatte in seiner Festansprache nachdrücklich den Stellenwert des ehrenamtlichen Engagements betont. Im Kreis Groß-Gerau seien die vielen Freiwilligen Garanten dafür, dass die Region zwischen Gernsheim und Ginsheim-Gustavsburg lebens- und liebenswert bleibe. Das sei wichtig, denn die Möglichkeiten des Staates seien begrenzt, die Schulden schränkten die Handlungsfähigkeit schon heute stark ein. „Wir werden künftig noch viel mehr bürgerschaftliches Engagement benötigen, im Stadtteil, in den Kirchen, am Arbeitsplatz, in den Vereinen.“ Vorbilder, die zum Beispiel in der Beratung und Betreuung der Flüchtlinge aktiv seien, seien dabei sehr hilfreich, denn sie zeigten, was jeder Einzelne bewirken könne – und wie viel Genugtuung das Engagement den Freiwilligen auf der anderen Seite auch wieder gebe.

Landrat Will lobte die Arbeit der Flüchtlingshelfer im Kreis. „Ohne die vielen Männer und Frauen, die mit den Flüchtlingen deutsche Grammatik üben, ihnen bei Behördengängen unter die Arme greifen oder ganz praktisch Fahrräder für die täglichen Besorgungen wieder flott machen, wäre eine Willkommenskultur, wie wir sie im Kreis möchten, gar nicht zu realisieren“, sagte er. Etwas mehr als 700 Flüchtlinge muss der Kreis in diesem Jahr in der Erstaufnahme unterbringen, im kommenden Jahr dürfte sich die Zahl weiter erhöhen. „Ein Dach überm Kopf ist wichtig – aber es reicht nicht: Willkommen heißen, meint auch, die Neuankömmlinge mit dem Leben in Deutschland vertraut zu machen.“

Marco Bresciani  und Cornelia Bertram sowie die freiwilligen Flüchtlingsbetreuerinnen Barbara Beisiegel, Bergith Heydekamp, Sonja Ritz und Hannelore Schollmayer berichteten im Anschluss, dass das Sprachenlernen auch dazu beitrage, Berührungsängste abzubauen. „Wir kaufen mit unseren Sprachschülern auch mal in einem Hofladen ein.“ Der Appell der hoch motivierten Flüchtlingshelferinnen: „Wir wünschen uns noch mehr Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren – zumal die Zahl der Flüchtlinge in den kommenden Jahren noch deutlich steigen wird."  Die Arbeit mit den Flüchtlingen, sagte eine Betreuerin, erfordere zwar viel Zeit und einen hohen Einsatz, „aber sie bringt uns auch sehr viel Freude.“

Dass der Kreis Groß-Gerau ehrenamtliches Engagement nicht nur mit Worten unterstützt, machte Landrat Will am Ende der Feierstunde deutlich. Da präsentierte er stolz das neue Heft „Fit fürs Ehrenamt“. Die Broschüre umfasst 26 verschiedene Kurse und Seminare, mit denen sich Ehrenamtliche qualifizieren können – ohne dass für sie Kosten entstehen. „Dieses Angebot, das seit 13 Jahren der Kreis zusammen mit der Kreisvolkshochschule entwickelt, ist auch eine Geste der Anerkennung“, sagte Will. Die Menschen im Kreis profitierten vom Einsatz der Freiwilligen. Umso wichtiger sei es, dass diese Aktiven auch vom Kreis Unterstützung erfahren, um ihrer Arbeit noch qualifizierter nachgehen zu können.   

 

 

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