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„Den Notstand haben wir schon“

EKBO Walter Astheimer ruft zu mehr Engagement im Klimaschutz auf

KREIS GROSS-GERAU – Zunehmende Luftverschmutzung, extreme Hitze, Dürren, Wassernot und Überflutungen durch Starkregen: Der Kreis Groß-Gerau, davon ist der Erste Kreisbeigeordnete Walter Astheimer überzeugt, leidet unter den Folgen des Klimawandels. Umso wichtiger sei es, jetzt noch entschiedener gegenzusteuern. „Wir haben im Kreis Strategien und Projekte entwickelt, um Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren und die Umstellung auf erneuerbare Energien voranzubringen“, so Astheimer: „Das ist lobenswert, reicht aber nicht aus: Wir befinden uns weltweit in einem Klimanotstand.“  

Ein Antrag zum offiziellen Ausrufen eines Klimanotstands liegt den Kreistagsmitgliedern in der kommenden Sitzung am 22. Juni 2020 vor. Darin empfiehlt der Kreisausschuss dem Kreistag, eine entsprechende Resolution zu beschließen. Darin enthalten: Die „Forderung sofortiger und ambitionierter Maßnahmen gegen die Klimakrise, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen“. Untermauert wird die Resolution durch einen verwaltungsinternen Bericht aus den Fachbereichen Wirtschaft und Energie sowie Regionalplanung über Klimaschutz im Kreis Groß-Gerau, den Astheimer initiiert hat.

„Wir sind der Auffassung, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen sowohl auf globaler als auch auf nationaler und lokaler Ebene nicht ausreichen, um den Klimawandel ausreichend zu begrenzen. Das Thema muss für uns höchste Priorität genießen“, so Astheimer. „Klimanotstand klingt nach Katastrophe und gefährlichen Szenarien wie Seuchen und Pandemien. Diesen Vergleich möchte ich nicht ziehen. Ich halte den Begriff allerdings für angemessen, für mich signalisiert er: Die Lage ist ernst, wir müssen und wir können etwas tun, um den Notstand doch noch wieder abzuwenden.“ Schließlich sei die Veränderung des Klimas auf der Erde auf das Wirken der Menschen zurückzuführen. Durch die zusätzliche Freisetzung von Treibhausgasen durch die Verbrennung fossiler Energieträger, die Abholzung von Wäldern und nicht zuletzt durch den steigenden Fleischkonsum (Rodung Urwäldern, Freisetzung Methan) beschleunige der Mensch rasant den natürlichen Treibhauseffekt, der zu einer Aufheizung der Atmosphäre der Erde führe, so heißt es im Bericht. Dadurch verändere sich das globale wie auch das lokale Klima.

„Und lokal kann jeder Einzelne viel gegen den Klimawandel tun“, sagt Astheimer. „Klimanotstand heißt nicht automatisch Verzicht“, betont der Kreisbeigeordnete. Doch bei jeder Maßnahme, bei jeder Anschaffung sollte der Kreis im Blick haben, ob diese Maßnahme klimaschädliche Auswirkungen hat. „Das fängt bei der Beschaffung von Büromaterial an und hört beim öffentlichen Nahverkehr, der hoffentlich bald einmal CO2-neutral fährt, noch lange nicht auf.“ Den Bericht sieht Astheimer denn auch weniger als Rechenschaftsbericht, denn als Handlungsempfehlung. „Die Kommunen im Kreis sind aufgerufen, mit eigenen Ideen und Projekten das Thema noch weiter voranzubringen“, sagt Astheimer.

Seit dem Beitritt zum europäischen Netzwerk Klima-Bündnis im Jahr 1994 hat der Kreis Groß-Gerau eine Vielzahl von Beschlüssen zum Klimaschutz gefasst. Förderung des Radverkehrs, Energieeffizientes Bauen und Sanieren, Bau von Schulen in Passivhaus-Bauweise, integriertes Verkehrsentwicklungskonzept, Carsharing, E-Mobilität, Energiesparwettbewerbe, Energieberatung, Solarmodule auf Schuldächern und Kreissporthallen: „Auf vielen Gebieten setzt der Kreis bereits Standards“, so Astheimer.

Auch dafür bietet der neue Bericht eine wichtige Grundlage. Aufgelistet sind umfangreiche Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels im Kreis Groß-Gerau. Die Umstellung des Kreis-Fuhrparks auf Elektromobilität ist darin ebenso enthalten wie das Modellprojekt Nahwärmenetz, ressourcenschonende Bebauung, das Modell Ökomodellregion-Süd, Solarkampagne, Energieberichte sowie einer Auflistung jener Vorhaben, die aktuell noch auf der To-do Liste des Kreises stehen. „Energie sparen, schonend Energie gewinnen, Treibhausgas-Emissionen reduzieren, an den Zielen müssen wir noch stärker arbeiten“, so Astheimer: „Wir müssen unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Umwelt und damit eine lebenswerte Perspektive hinterlassen. Um nichts weniger geht es bei dem Thema.“ 

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