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Delegation des Kreises auf Partnerschaftsbesuch in Masatepe:

Neues Projekt zur Müllverwertung

Feier der 25jährigen Partnerschaft im Rathaus Masatepe mit dem stellvertretenden Landrat Javier Francisco López (7 v.rechts), der Vorsitzendes des Partnerschaftsverein in Masatepe Catalina Bojorge Salgado (2 v.rechts); den Stadträten von Masatepe sowie den Teilnehmenden der Groß-Gerauer Delegation.

KREIS GROSS-GERAU – Verpackungsfolie, Plastiktüten, Kartons – der Müllberg steigt stetig an, natürlich nicht nur in den Industriestaaten. Mit bekannten Folgen: Plastikmüll landet zum Beispiel oft im Meer. Das Bewusstsein für Klimaschutz zu fördern, gleichzeitig Handlungsstrategien zu etablieren, um Abfall zu trennen und effizient zu verwerten, ist Ziel eines neues Projekts, das der Kreis Groß-Gerau und der Partnerkreis Masatepe jetzt auf den Weg bringen wollen. Bei einem Besuch in Nicaragua wurden jetzt Details verabredet. Auf der öffentlichen Jahreshauptversammlung des Partnerschaftsvereins Kreis Groß-Gerau – Masatepe am 16. April in Groß-Gerau wird über die Reise informiert. 

Das Projekt soll durch Engagement Global im Rahmen des „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“-Programms (SKEW) mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert werden. SKEW ist ein Kompetenzzentrum für kommunale Entwicklungspolitik in Deutschland. Im Auftrag des BMZ steht es Kommunen seit 2001 als Service- und Beratungseinrichtung zur Verfügung. „Wir hoffen darauf, dass wir den Zuschlag im Spätsommer für das Projekt bekommen“, sagte Dr. Marta Wachowiak, die für die kommunale Entwicklungspolitik des Kreises Groß-Gerau zuständig ist.

Wachowiak hatte die Reise nach Nicaragua, die durch Engagement Global zu 90 Prozent gefördert wurde, organisiert. In Masatepe, berichtet sie, landeten Abfälle, egal welcher Art, überwiegend auf ungeordnete Deponie ohne Sickerwasser- oder Gasauffangvorrichtung. „Gesammelt, sortiert und verwertet wird der Müll durch Privatpersonen und Organisationen, die den Müll unter schwierigen Bedingungen und gesundheitlichen Risiken trennen und Wertstoffe heraussuchen. Das soll bald anders werden.“ Das Projekt ziele darauf ab, gerade ländliche Teile in der Verwaltungseinheit Masatepe an eine Müllabfuhr anzuschließen. In Masatepe schließlich solle eine neue, geregelte Mülltrennung aufgebaut werden.

Der Erste Kreisbeigeordnete Walter Astheimer hatte die Groß-Gerauer Delegation angeführt. Mit dabei waren neben Ute Jochem vom Partnerschaftsverein Kreis Groß-Gerau – Masatepe/Nicaragua e.V. zwei ausgewiesenen Experten im Bereich Abfallmanagement, Stefan Metzger von Abfall Wirtschafts-Service GmbH, AWS Büttelborn sowie Fachbereichsleiter  Sven Christiansen vom Kreis Groß-Gerau. „Die Woche war gefüllt mit Arbeitstreffen, Projektbesichtigungen wie der Fotovoltaik-Anlage, einer Feier der 25-jährigen Partnerschaft, einem Besuch in der deutschen Botschaft in Managua und vielen Gesprächen mit der Bevölkerung der Partnergemeinde“, berichtete Astheimer.

Unter anderem durch die Unterstützung aus Deutschland und teilweise aus der Schweiz habe sich Masatepe in den vergangenen 25 Jahren positiv entwickelt. „Allerdings ist das Stadt-Land-Gefälle noch immer sehr groß“, so Wachowiak. Häuser, zusammen gezimmert auch Wellblech und Brettern, in denen drei Generationen unter einem Dach wohnen – auch das sei Masatepe. „Die Reise hat mich in meiner Überzeugung bestätig, dass es richtig und sinnvoll ist, unsere Freunde in Nicaragua zu unterstützen“, sagte Astheimer. Und Landrat Thomas Will fügte hinzu: „Das Geld ist sehr gut in nachhaltigen Projekten angelegt: Bildung, Umwelt und nachhaltige Daseinsversorge spielten bisher bei der Umsetzung der Projekt durch den Partnerschaftsverein Kreis Groß-Gerau – Masatepe/Nicaragua e.V. eine wichtige Rolle.“  

„Gerade die Besuche in den Schulen waren sehr bewegend“, so Astheimer. Von Schülern der Grundschule Groß-Gerau in Masatepe seien sie mit selbst gemalten deutschen Fahnen und mit Gesang begrüßt worden. Und in einer Schule im Stadtteil San Jose überreichte Astheimer Briefe von Schülern der Anne- Frank-Schule aus Raunheim. Die Brieffreundschaft war vom Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins Heiner Friedrich und der Spanischlehrerin der Schule in Raunheim, Frau Gehringer, initiiert worden. Tief beeindruckt zeigte sich die Delegation nach dem Besuch des Frühförder- und Rehabilitationszentrums „Angelitos por siempre“.

Errichtet wurde das Förderzentrum  2009/2010 auf dem Gelände eines ehemaligen Schlachthofes. Am 2. Mai 2010 nahm es seinen Betrieb auf. Vor der Errichtung des Förderzentrums war die Situation für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in Masatepe sehr schlecht – es fehlten Hilfen und therapeutische Angebote, die Kinder wurden in den Wohnungen ihrer Familien praktisch versteckt gehalten. Dies hat sich grundlegend geändert.

Etwa 100 Kinder und Jugendliche aus der Stadt Masatepe, den umliegenden Vororten und sogar aus der Hauptstadt Managua suchen das Zentrum regelmäßig ein- oder zweimal die Woche auf, begleitet von ihren Eltern. Dort arbeiten derzeit zwei Physiotherapeutinnen, eine Logopädin, eine Psychologin und eine Verwalterin der  Einrichtungs. Es handelt sich durchgehend um gut ausgebildetes Fachpersonal. Auch die Transporte zum Zentrum für Einwohner von Masatepe werden bezahlt, da die Familien in der Regel über keine ausreichenden finanziellen Mittel verfügen. Die Delegation überreichte der Leiterin der Einrichtung pädagogische Spiele und Holzspielzeug, die Kreisbeschäftigte gespendet hatten.

Am 16. April 2018 erzählen die Teilnehmenden der Reise auf der Jahreshauptversammlung des Partnerschaftsvereins Kreis Groß-Gerau – Masatepe / Nicaragua e.V. von ihren Eindrücken und Erlebnissen in Nicaragua. Beginn ist um 20 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum Groß-Gerau, Auf Esch, Europaring 74. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürgern sind dazu herzlich eingeladen.

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