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Büro für Frauen und Chancengleichheit neu aufgestellt:

Viel Arbeit für Frauenbeauftragte

Simone Anthes und Judith Kolbe (von links) vom Büro für Frauen und Chancengleichheit der Kreisverwaltung Groß-Gerau haben sich für dieses Jahr viel vorgenommen. Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – Personell wieder breiter aufgestellt ist seit Februar das Büro für Frauen und Chancengleichheit (BFC) der Kreisverwaltung Groß-Gerau. Die externe Frauenbeauftragte Judith Kolbe hat Simone Anthes als neue Kollegin bekommen. Das trifft sich gut, denn das Jahr wird arbeitsreich und voller Projekte.

Simone Anthes kümmert sich vorrangig um die Ausstellung „100 Jahre Frauenwahlrecht“, die ab 26. November bis Ende des Jahres im Foyer des Landratsamts zu sehen sein wird. Eröffnet wird diese mit einer Sondersitzung des Kreistags. „Zu dieser Sitzung erwarten wir eine prominente Rednerin“, berichtet Judith Kolbe.

Die Ausstellung, die die historischen Geschehnisse im Kreis Groß-Gerau ins große Ganze einordnen soll, wird in Zusammenarbeit mit den örtlichen Frauenbeauftragten erstellt. Sie zeigt politisch engagierte Frauen im Kreis seit Einführung des Frauenwahlrechts. Für jede Kommune wird es ein Roll-Up mit Informationen geben. Außerdem wird ein Begleitprogramm zur Ausstellung, zum Beispiel mit Lesungen und Kinofilmen, vorbereitet.

Weiteres großes Aufgabenfeld für Simone Anthes und Judith Kolbe ist die Einführung des Projekts „Medizinische Soforthilfe bei Vergewaltigung“, das es bereits in Frankfurt, aber auch in Darmstadt-Dieburg, Offenbach und Darmstadt  gibt. Dabei geht es darum, dass Ärzte bei der medizinischen Behandlung nach einer Vergewaltigung DNA-Spuren sichern und Protokolle über die Verletzungen anfertigen. Die Spuren und gerichtsverwertbaren Unterlagen müssen ein Jahr in einem forensischen Institut aufgehoben werden, damit sie nach einer Anzeige und für einen etwaigen Prozess zur Verfügung stehen. „In einem ersten Schritt wollen wir Ärzte, Notaufnahmen in Kliniken und Gesundheitsamt ansprechen und sensibilisieren. Damit die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die nötigen Informationen an die Frauen weitergeben und entsprechend handeln“, sagt Judith Kolbe.
Schulungen und verstärkte Öffentlichkeitsarbeit sollen folgen. Beim Voranbringen des Projekts hilft die AG gegen Gewalt, die es seit vielen Jahren im Kreis Groß-Gerau gibt und in der Polizei, Vertreter/innen von Beratungsstellen und andere sich austauschen. Das Projekt wurde dort bereits vorgestellt.

Weiterer Schwerpunkt der Arbeit ist für Judith Kolbe das Netzwerk gegen Rechtsextremismus und Rassismus, in der sie zur Kerngruppe gehört. Das Netzwerk plant anlässlich des Tages gegen Homophobie (17. Mai) eine Ausstellung zum Paragrafen 175 Strafgesetzbuch, der bis 1994 galt und sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte. Bei der Ausstellungseröffnung am 14. Mai wird die Regenbogenfahne gehisst.

„Wir wollen gemeinsam mit dem Netzwerk (Büro für Integration, Jugendbildungswerk und weitere) das Thema Homophobie öffentlicher machen, sensibilisieren, Akteure zusammenbringen“, sagt die Leiterin des Büros für Frauen und Chancengleichheit. Geplant ist zum Beispiel, die Beratungsstelle von Pro Familia zur Geschlechtervielfalt ab 2019 zu unterstützen. Auch Kinovorstellungen und Fortbildungen sind geplant, denn, so Kolbe, „das Thema Homophobie ist leider noch nicht erledigt“.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die immer noch bestehende Lohnlücke zwischen Männern und Frauen sind ebenfalls Fragen, mit denen sich das BFC befasst. Sie werden unter anderem in den Sitzungen der Frauenkommission des Kreises oder auch im südhessischen Netzwerk von Frauenbeauftragten in Verwaltungen und Jobcentern behandelt. „Das Netzwerken ist für uns sehr wichtig, weil wir an den jeweiligen Stellen nur wenig Leute sind“, betonen Judith Kolbe und Simone Anthes.

Froh sind sie darüber, dass sie jedes Jahr aus eigenen Budgetmitteln sowie aus dem Förderprogramm Chancenvielfalt gemeinsam mit dem Büro für Integration mehrere Projekte finanziell unterstützen können; insgesamt stehen gut 20.000 Euro zur Verfügung. „Das Büro hilft gern, auch wenn zunächst nur eine Projektidee vorliegt, beim Gestalten und Umsetzen eines Vorhabens.“ Die beiden Frauenbeauftragten, die auch Kontakte zu diversen Beratungsstellen vermitteln, sind unter Telefon 06152 989332 (Kolbe) und 989563 (Anthes) zu erreichen. 

Hintergrund zu den beiden externen Frauenbeauftragten:

Judith Kolbe stammt aus Mörfelden-Walldorf, ist verheiratet und hat einen kleinen Sohn. Die 35-Jährige hat Politikwissenschaft in Frankfurt am Main studiert und das Studium mit dem Magisterabschluss beendet. Danach absolvierte sie ein Praktikum in Tübingen bei einer Frauenrechtsorganisation, arbeitete dann dort sowie fürs DRK. 2010 kam sie zurück in den Kreis Groß-Gerau und wurde Mitarbeiterin im Büro für Frauen und Chancengleichheit (BFC). Kurz danach übernahm sie, zunächst in Vertretung, die Fachdienstleitung. Ihre Stelle umfasst heute 30 Stunden pro Woche.

Dazu kommen die 20 Wochenstunden von Simone Anthes. Die 30 Jahre alte Darmstädterin studierte Soziologie (Bachelor) in Heidelberg sowie Sozialpädagogik (Master) in Darmstadt.  Ihr Anerkennungsjahr absolvierte die verheiratete Mutter einer kleinen Tochter 2014/15 im BFC im Landratsamt Groß-Gerau. Danach arbeitete sie in Wiesbaden im Stadtteilmanagement Schelmengraben, war Projektleiterin im Biwaq-Programm, das Hilfe leistet, um Menschen aus dem SGB-II-Bezug in Arbeit zu bringen. Seit Anfang Februar 2018  ist Simone Anthes zurück im BFC.

Unterstützt werden die beiden von der internen Frauenbeauftragten Daniela Kolb, die mit neun Stunden ihrer Arbeitszeit ebenfalls für externe Aufgaben zuständig ist.

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