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Beitrag zu sozialem Fortschritt

Erste Bildungskonferenz des Kreises Groß-Gerau

Die Professorin Christiane Spiel hielt das Hauptreferat bei der ersten Bildungskonferenz des Kreises Groß-Gerau. Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – „Bildung für den Kreis von morgen - ab sofort“ lautete der Titel der ersten Bildungskonferenz, die der Kreis Groß-Gerau jüngst im Landratsamt veranstaltet hat. Landrat Thomas Will wies in seiner Begrüßung der rund 140 Gäste auf die lange Tradition und die vielen Anknüpfungspunkte hin, die das Thema Bildung im Kreis hat: ob Sprachförderung im Kindergarten, Schulsozialarbeit, Förderung des Übergangs Schule und Beruf oder Hessencampus, der den Zugang von Erwachsenen zu Bildung in der Region abstimmt. Aber auch außerschulische Bildungsarbeit, Vereine, Verbände und Initiativen sind Bausteine von Bildung.

Darum war es naheliegend, dass der Kreis sich dem Förderprogramm „Bildung integriert“ des Bundes anschloss, um drei Jahre lang beim Aufbau eines datenbasierten Bildungsmanagements unterstützt zu werden. Seit März 2019 läuft die regionale Bildungsplanung im Kreis Groß-Gerau. Projekt und Stabsstelle wurden beim Fachtag in der vergangenen Woche kurz vorgestellt. 

Danach hielt die Bildungspsychologin Prof. Dr. Dr. Christiane Spiel von der Uni Wien einen Impulsvortrag zum Thema. Die Bildungsexpertin machte auf die globale Bildungssituation aufmerksam, lenkte den Blick dann auf Deutschland mit dem Nachhaltigkeitsziel „Hochwertige Bildung“ der Agenda 2030 und schließlich nach Hessen und bis in den Kreis Groß-Gerau. So wies sie darauf hin, dass der größte Ertrag von Bildungsinvestitionen im vorschulischen Bereich liege. Hier in Qualität zu investieren, nutzt den Menschen ein Leben lang – und ebenso der Gesellschaft.  

Um mit den Herausforderungen der Zukunft umzugehen, brauchen junge Menschen Mut und Selbstvertrauen, damit sie ihr Leben selbst gestalten können. Wichtig sind daher für sie Erwachsene als Vorbilder – Erwachsene, die offen für Neues sind und gern dazulernen. Bildungsinstitutionen sollten Teil der Gesellschaft und des örtlichen Lebens sein. „Bildung für die Welt von morgen braucht Engagement von möglichst vielen Menschen – und zwar nicht nur in den Bildungseinrichtungen“, betonte die Referentin. Schließlich wies sie darauf hin, dass Unterschiedlichkeit – Diversität - das Normale ist: „Individuelle Begabungen und Interessen sollten anerkannt und gefördert werden.“ 

Prof. Dr. Dr. Spiel beschrieb Bildung als „Beitrag zu sozialem Fortschritt“. Bildung sollte humanistisch, bürgergesellschaftlich, ökonomisch und in Richtung soziale Gerechtigkeit wirken. Dafür müsse unter anderem Qualität von Schulen erhöht, die Rolle der Lehrkräfte gestärkt werden. Zugang zu qualitativ hochwertiger frühkindlicher Bildung müsse ausgeweitet werden. Bildung und Berufsausbildung sollten inklusiver gestaltet und mehr auf sozial relevante Ziele ausgerichtet werden, sagte die Professorin. Bei all dem könne man digitale Technologien unterstützend einsetzen, wo sie sinnvoll sind. Digitalisierung an sich sei aber nicht alles. 

Viel Stoff also für die weitere Diskussion und das Projekt „Netzwerk Bildung Kreis Groß-Gerau“, mit dessen Unterstützung im Kreis in den kommenden Jahren sehr konkrete Projekte und Schritte zur Förderung von besserer Bildungsteilhabe organisiert werden sollen.

Die Veranstaltung – bei der in vier Foren zusammengestellt wurde, was es bereits im Kreis gibt und welche Grundlagen noch fehlen – brachte viele erste Anregungen für ein Bildungsleitbild im Kreis, das gemeinsam erarbeitet werden soll. Für Akteure im Bereich von Bildung ist es wichtig, einen Überblick über Bildungsbeteiligung und -erfolge zu haben. Daher sind fortlaufend Bildungsmonitoring und Berichterstattung geplant. Auch weitere Bildungskonferenzen sollen folgen.  

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