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Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge

Land Hessen unterstützt Projekt im Kreis Groß-Gerau

KREIS GROSS-GERAU – Der Kreis Groß-Gerau geht neue Wege bei der Integration von Flüchtlingen mit Bleibechancen: Seit August sind vier junge Männer aus der Flüchtlingsunterkunft in Bischofsheim in der Standortgemeinde bei Umweltaktionen und Renaturierungen tätig. Möglich wurde dieser Arbeitseinsatz durch die Initiative der Gemeindeverwaltung. Der örtliche Bauhof betreut die Flüchtlinge während der Arbeitszeit und sorgt für die fachliche Anleitung.

Was derzeit in kleinem Rahmen beginnt, soll demnächst im gesamten Kreis möglich sein. Caritas und Diakonisches Werk haben gemeinsam mit der Kreisvolkshochschule bereits einen Umsetzungsvorschlag erarbeitet: Ab Oktober werden so weitere Flüchtlinge die Chance haben, für maximal vier Monate in bereits bestehenden sozialen Projekten mit gemeinnütziger Beschäftigung tätig zu werden. Von Dienstag bis Donnerstag werden sie dort insgesamt maximal 22 Stunden arbeiten. Monat und Freitag sind für den begleitenden Sprachkurs reserviert.

„Der Weg zur gesellschaftlichen Integration von Flüchtlingen führt über Arbeit und Ausbildung. Voraussetzung dafür sind ausreichende Sprachkenntnisse. Indem das Projekt Arbeitsgelegenheiten mit Sprachförderung verbindet, leistet es einen wichtigen Beitrag dazu, dass Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive in unserer Gesellschaft Fuß fassen können“, erklärte der Hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner.

„Wenn wir das Projekt sehr schnell auf fünfzig bis sechzig weitere Plätze ausbauen können, haben in den nächsten zwei Jahren mindestens 200 Menschen eine Chance, bereits während des Asylverfahrens erste Erfahrungen in der deutschen Arbeitswelt zu machen“, hofft Walter Astheimer, als Erster Kreisbeigeordneter u.a. zuständig für die Betreuung der Flüchtlinge im Kreis. Das Vorhaben wird vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration im Rahmen des Projekts „MIA“ (Migranten in der Arbeitserprobung“) fachlich und finanziell unterstützt.

Die Chancen stehen gut, Flüchtlingen mit Bleibechancen auf diese Weise den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. Denn diese werden im Rahmen des Projekts in einer arbeitsrechtlich zulässigen Weise beschäftigt, für die keine zusätzlichen Genehmigungen erforderlich sind. Schließlich sieht das Asylbewerberleistungsgesetz ausdrücklich Beschäftigungsmöglichkeiten für Flüchtlinge vor.

„Es ist für alle Seiten ein Gewinn“, freut sich Bischofsheims Bürgermeisterin Ulrike Steinbach über die Mitarbeit der Flüchtlinge. Für die jungen Männer bedeute die Beschäftigung viel mehr als nur eine sinnvolle Tagesgestaltung. „Sie kommen in regelmäßigen Kontakt mit unseren Bauhofmitarbeitern, erwerben Sprachkenntnisse, lernen Arbeitsabläufe kennen und bessern zusätzlich ihre finanzielle Unterstützung auf“, zeigt sich Steinbach mit dem neuen Angebot an die Asylsuchenden sehr zufrieden. „Mein besonders Lob geht an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich für diese Idee stark gemacht haben und sich täglich mit Freude um die neuen Kollegen kümmern“, hebt Steinbach deren besonderes Engagement hervor. Zum Beispiel seien schnell und unbürokratisch neue Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe angeschafft worden, damit die jungen Männer bei ihrer Tätigkeit gut geschützt sind.

Zukünftig werden sich Mitarbeiter von Caritas und Diakonie um solche und weitere Umsetzungsfragen kümmern. Sie werden dabei eng mit den hauptamtlichen Flüchtlings-Betreuungskräften zusammenarbeiten. Über diese soll auch die Ansprache der Flüchtlinge in den jeweiligen Unterkünften erfolgen. Auch die Städte und Gemeinden werden eng eingebunden und sind vom Kreis bereits darum gebeten worden, darüber nachzudenken, ob und welche weiteren Arbeits- und Einsatzmöglichkeiten in das Projekt eingebracht werden können. Auch die ambulanten und stationären Pflegedienste im Kreis sind hier eingeladen. Hierzu hat der Kreis bereits eine Handreichung entwickelt, aus der deutlich wird, welche Arbeitsfelder als „sogenannte Arbeitsgelegenheiten“ für Flüchtlinge im Asylverfahren möglich sind. Diese dürfen allerdings den allgemeinen Arbeitsmarkt nicht behindern und ihm Konkurrenz machen und müssen im öffentlichen Interesse liegen.

Arbeitsfelder können z.B. im Umweltschutz, bei der Landschaftspflege und bei gemeinnützigen Werkstätten und Tafeln sein.

Einen besonderen Schwerpunkt sieht Walter Astheimer in der Zusammenarbeit mit dem Jobcenter und der Bundesagentur für Arbeit: „Wir wollen, das die Überleitung aus dem Projekt in das SGB II nahtlos erfolgt.“ Die Bundesagentur sei aufgefordert, ihre Aufgaben bei der Betreuung von Flüchtlingen, deren Anerkennungsverfahren noch laufen, offensiv wahrzunehmen.

Dank der Unterstützung durch das Sozialministerium ist die Finanzierung der Arbeitserprobung für Flüchtlinge bis Ende 2016 gesichert. Für die Zeit danach erwartet Astheimer deutlich verbesserte Regelungen des Bundes sowohl für die Arbeitsintegration der Flüchtlinge und vor allem für deren Sprachförderung  - „und zwar von Beginn an!“ Zwar sei er froh und dankbar über die große ehrenamtliche Unterstützung, vor allem im Bereich des Deutschunterrichts: „Aber es ist doch nicht zumutbar, dass die Sprachförderung der Flüchtlinge im Wesentlichen durch das Ehrenamt geleistet wird!“

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