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Anforderungen an den Kreis wachsen

Bildungsfrühstück an der MPS Trebur

Bildung bleibt ein spannendes Thema: Das wurde beim Bildungsfrühstück an der MPS Trebur deutlich, bei dem (von links) Schulleiter Jens Lang, Moderator Udo Döring, Landrat Thomas Will, Bürgermeister Jochen Engel sowie Oliver Planchensteiner vom Schulelternbeirat diskutierten. Foto: Kreisverwaltung

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KREIS GROSS-GERAU – Anregend und angeregt diskutierten die Expertenrunde und Gäste beim Bildungsfrühstück des Kreises in der Mittelpunktschule Trebur. Sie kamen am Samstag, 24. August, in der Aula der Haupt- und Realschule mit Förderstufe zusammen. Mit Landrat Thomas Will sprachen Schulleiter Jens Lang, Treburs Bürgermeister Jochen Engel und Oliver Planchensteiner vom Schulelternbeirat. Schwerpunktthema waren die steigenden Schülerzahlen im Kreis und die damit verbundenen Anforderungen an Kreis und Schulen. Es ging in dem von Udo Döring moderierten Gespräch aber auch um die Schülerströme im Landkreis, Ganztagsbetreuung und den DigitalPakt Schule. 

Der Landrat stellte zu Beginn die Lage kurz dar: Im Zuzugskreis Groß-Gerau gibt es heute rund 25.000 Einwohner mehr als vor 15 Jahren. In den kommenden zehn Jahren seien nochmals so viele Menschen mehr zu erwarten – „nochmal ungefähr zwei Mal Trebur“ verdeutlichte Thomas Will die Größenordnung. Durch den Zuzug werden in den Jahren 2021 bis 2025 rund 1000 Kinder mehr als ursprünglich einmal erwartet im Kreis in die Schule gehen. „Und das sind nur die, von denen wir es heute schon wissen“, so der Landrat.   

Um die nötigen Räume – allein 40 allgemeine Unterrichtsräume, ohne Fachräume und Ganztagsangebot – zu schaffen, seien in den nächsten sechs bis acht Jahren Investitionen in Höhe von 365 Millionen Euro nötig. Denn die „temporären Klassenräume“, sprich Container, sind in den Augen des Landrats „kein Dauerzustand“. Für die Jahre 2022 bis 2027 beschrieb er einen jährlichen Investitionsbedarf von 70 Millionen Euro. Um diese Aufgabe stemmen zu können, brauche der Schulträger Unterstützung durch Förderprogramme und vor allem einen kommunalen Finanzausgleich, der die Sozialstruktur in den Kreisen berücksichtigt, sagte Landrat Will. 

Denn einfach die Kreiskommunen mit immer höheren Kreis- und Schulumlagen zu belasten, ist schwierig, befand auch Jochen Engel. „3,2 Millionen Euro zahlt Trebur aktuell schon an den Kreis“, sagte der Bürgermeister. Er wollte aber den Teufel nicht an die Wand malen, sondern die Details der Haushaltsplanung abwarten. 

Mitzubedenken ist laut Landrat, dass auf die Investitionen in Schulgebäude die Kosten für den Betrieb folgen: Bauunterhaltung, Betrieb von Mensa und Ganztag, Energiekosten, Personal (Hausmeister und Schulsekretärinnen sind beim Kreis angestellt). All dies belastet am Ende auch wieder die Kommunen finanziell. Eine herausfordernde Situation. Denn Bildung steht im Kreis Groß-Gerau ganz oben auf der Prioritätenliste.  

Dass jeder Euro an den Schulen und natürlich gerade auch an seiner gut angelegt ist, unterstrich Schulleiter Jens Lang. Er setzt sich dafür ein, dass die Haupt- und Realschule für ihre rund 650 Schülerinnen und Schüler ebenso gut ausgestattet ist wie Gymnasien und Integrierte Gesamtschulen, und nannte als Beispiel die Technik für die Präsentationsprüfungen. „Da haben wir noch Nachholbedarf.“ Er ergänzte im Lauf der Diskussion, dass die Schule gerade ein Konzept für die digitale Bildung erarbeitet – und betonte, dass die MPS bereits vor dem DigitalPakt Schule des Bundes sich dieses Themas angenommen hat. 

Dass man generell auf einem guten Weg ist, fand Oliver Planchensteiner vom Elternbeirat: „Klar, da geht noch was. Aber die IT-Räume wurden schon sukzessive ausgestattet.“ Auch der Schulförderverein könne helfen, betonte er dessen wichtige Rolle. Anerkennung gab es später auch für die Schulsozialarbeit und die Berufsberatung, die der Kreis an der MPS und den anderen Schulen über die Jahre auf- und ausgebaut hat. 

Die MPS ist in den vergangenen Jahren nicht so gewachsen wie andere Schulen – zum Beispiel die Martin-Buber-Schule in Groß-Gerau – im Kreis, sagte der Landrat. Darum sei der Investitionsdruck woanders höher gewesen. „Und wenn man mit Ausbau und Modernisierung anfängt, dann nimmt man natürlich den neuesten Standard“, erklärte Thomas Will, warum nun in Trebur etwas nachgesteuert werden müsse. Der Landrat kann sich ohnehin vorstellen, dass auch die MPS in den kommenden Jahren wachsen wird. „Wir müssen die Schülerströme auf dem Radar haben“, sagte er. Wenn die Eselswiese in Bauschheim einmal bebaut ist, könnten sich Familien bei der Schulwahl Richtung Trebur orientieren. Auch aus Nauheim und Geinsheim sind die Wege nach Trebur nicht weit. 

Wie aber lässt sich eine halbwegs gleichmäßige Verteilung der Schülerinnen und Schüler erreichen, wie kann die Steuerung aussehen, lautete eine Frage aus dem Publikum. In Hessen ist der Elternwille ausschlaggebend (Ausnahme: Grundschulen), erläuterte der Landrat. Im äußersten Fall kann eine Kapazitätsbeschränkung für eine hochfrequentierte Schule beschlossen werden. Weniger stark nachgefragte Schulen können über ihr spezielles pädagogisches Profil werben – seien es Ganztagsangebote, der Parallelbetrieb von G8 und G9, ein besonderes Sport-, naturwissenschaftliches oder musisches Profil, beschrieb Landrat Will Lenkungsmöglichkeiten. 

In der abschließenden Fragerunde durften die Diskutanten ein paar Wünsche nennen (von denen nicht alle vom Kreis erfüllt werden können). Der Schulleiter wünscht sich „Rückenwind für die Haupt- und Realschule“ und Entlastung im Schulalltag fürs Kollegium. Oliver Planchensteiner ersehnt sich weniger Unterrichtsausfall und schnelleren Ersatz für erkrankte Lehrkräfte. Bürgermeister Jochen Engel sähe gern eine Vereinheitlichung im Bildungssystem und eine „ordentliche finanzielle Ausstattung“ der Kommunen und Kreise, damit diese ihren Aufgaben besser nachkommen können. Landrat Thomas Will setzte den Schlusspunkt mit dem Wunsch, dass in zehn Jahren keine Container mehr für den Unterricht an den Schulen im Kreis Groß-Gerau benötigt werden. 

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