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Am Ende stehen Gesundheits-Treffs

UNO-Flüchtlingshilfeprojekt zeitigt Erfolg

Eric Niekisch vom Caritasverband Offenbach/Main e.V. und Fachbereichsleiterin Dr. Angela Carstens von der Kreisverwaltung Groß-Gerau (von rechts) überreichten Urkunden und Blumen an die neuen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die beim Interkulturellen Gesundheitsprojekt in der Mainspitze ausgebildet wurden – unter ihnen Alia Ahmad aus Pakistan. Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – Interkulturelle Gesundheitsaufklärung stand im Mittelpunkt eines UNO-Flüchtlingshilfeprojekts, an dem sich die Kommunen Bischofsheim und Ginsheim-Gustavsburg, der Kreis Groß-Gerau und der Caritasverband Offenbach/Main beteiligt haben. Dabei ging es darum, die sprachlichen und kulturellen Barrieren von Geflüchteten zu verringern und somit das Verständnis für das deutsche Gesundheitssystem sowie für die medizinische Versorgung, Prävention und Gesundheitsförderung für diese Gruppe zu verbessern. Zu diesem Zweck wurden im Lauf des vergangenen Jahres im Wesentlichen Menschen mit Fluchterfahrung und Vorkenntnissen zum Themenbereich Gesundheit zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren geschult. Für das Projekt standen insgesamt 38.350 Euro zur Verfügung, wovon die UNO-Flüchtlingshilfe rund 23.000 Euro übernahm. Der Kreis Groß-Gerau ermöglichte das Projekt mit seinem zeitintensiven Personaleinsatz - vor allem bei den inhaltlichen Schulungen. 

Bei diesen Schulungen ging es zum Beispiel um Mundhygiene, Suchtprävention, Kindergesundheit, Bewegung und Ernährung oder auch Familienplanung. Außerdem gab es eine methodische Schulung. Die so Ausgebildeten boten im Anschluss Gesundheits-Treffs an, zum Beispiel zu Ernährungsfragen, zu Verhütung oder auch zum Thema Aids. 

Nun war die Abschlussveranstaltung für das Projekt, zu der rund 30 Menschen ins Kettelerhaus in Gustavsburg kamen. Dabei erhielten die sechs Frauen und sieben Männer im Alter von 21 bis 47 Jahren ihre Zertifikate. Sie stammen aus Syrien, Iran, Pakistan, Äthiopien und Eritrea, haben die komplette Schulung absolviert und dann für Landsleute Gesundheits-Treffs abgehalten. Drei von ihnen berichteten über ihre Erfahrungen, alle bedankten sich herzlich für das Projektangebot. Alia Ahmad aus Pakistan, die sich intensiv mit Zahngesundheit befasste, sagte: „Es ist sehr gut, dass wir in Kleingruppen lernen können.“ Alemtsehay Worku aus Äthiopien leitete einen Gesundheits-Treff zum Thema Verhütung, an dem zehn Frauen und acht Männer teilnahmen. Vor allem die Frauen seien wissbegierig gewesen und hätten viele Fragen gestellt. Eine Wiederholung des Treffs wäre sicherlich sinnvoll, so die Erfahrung. 

Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer bilanzierte das Ergebnis des Projekts mit diesen Worten: „Die Unterstützung durch ehrenamtliche Multiplikatorinnen und Multiplikatoren beim Thema Gesundheit ist ein weiterer Webknoten in unserem schon heute engmaschigen Netz von Hilfen und Unterstützung im Kreis Groß-Gerau.“ So gibt es im Kreis zum Beispiel schon Integrationslotsen und voraussichtlich ab dem kommenden Jahr interkulturelle Pflegelotsen. Walter Astheimer bedankte sich bei allen am Projekt Beteiligten für die gute Zusammenarbeit.  

Über das Projekt referierte Dr. Anna Katharina Helbig vom Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz der Kreisverwaltung. Für den Fachbereich war darüber hinaus unter anderem dessen Leiterin Dr. Angela Carstens gekommen, von der Caritas der Bereichsleiter Kreis Groß-Gerau Eric Niekisch und von der UNO-Flüchtlingshilfe Luna Borgböhmer. Die Bürgermeister der beiden Standortkommunen waren urlaubsbedingt verhindert. 

Luna Borgböhmer, verantwortlich in der Projektförderung der UNO-Flüchtlingshilfe tätig, beschrieb die Aufgabe: Schutz und Integration von Geflüchteten. Dazu zählten die psychosoziale Versorgung und Rechtsberatung. Das interkulturelle Gesundheitsprojekt in der Mainspitze habe diese Aspekte sinnvoll ergänzt. „Mit vergleichsweise geringen Mitteln haben wir gemeinsam große Wirkung erzielt“, dankte sie allen Beteiligten – so wie es nach ihr noch Dr. Angela Carstens und Eric Niekisch taten. Der Caritas-Bereichsleiter war „begeistert davon, was auf den Weg gebracht wurde. Das ist ein gutes Fundament“. 

Das bestätigte Melanie Lutz, die am Ende die Möglichkeiten einer Verstetigung des Projekts mit Hilfe der Kooperationspartner beschrieb – sei es zum Beispiel durch den Einsatz von Integrationslotsen und durch das Netzwerk Integration (Kreis Groß-Gerau), die Zusammenarbeit mit Sportkoordinatoren und Familienzentren (Kommunen) oder mittels Infoveranstaltungen und durch das Netzwerk Leben (Caritas).  

Abschließend betonte Fachbereichsleiterin Dr. Angela Carstens den Nutzen des interkulturellen Projekts: „Es ist ein wichtiger Beitrag zur Integration. Damit wird Menschen mit Fluchterfahrung der Zugang zur Gesundheitsversorgung erleichtert. Das ist ein Beitrag zur gesundheitlichen Chancengleichheit, und die ist dem Kreis Groß-Gerau enorm wichtig.“  

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