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Ab jetzt besser zur Schule

Mobilitätspläne für sieben Schulen des Kreises liegen vor

Halten die neuen Pläne in ihren Händen (von links): Anika Posner, Leiterin der Erich-Kästner-Schule Klein-Gerau, Jacqueline Mager-Hoelzl, Leiterin der Grundschule Geinsheim, Rita Barthel, Leiterin der Gustav-Brunner-Schule Gustavsburg, Birgit Olschewski-Denk, stellvertretende Leiterin der IGS Mainspitze, Axel Lorenz, Fachdienstleiter Schulverwaltung, Anette Krauskopf, Konrektorin der Georg-Büchner-Schule Goddelau, Peggy Peil vom Fachdienst Schulverwaltung, Kerstin Klein, Leiterin der Gerog-Mangold-Schule Bischofsheim, Landrat Thomas Will, Heike Mühlhans, Geschäftsführerin ivm (Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain) und Sylvia Wiersing, ebenfalls ivm GmbH. Bild: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – Dem Kreis Groß-Gerau als Schulträger liegen seit Mittwoch offiziell sieben Schulmobilitätspläne vor, die unter fachlicher Begleitung im Rahmen des hessischen Beratungs- und Qualifizierungsprogramms „Besser zur Schule“ erarbeitet worden sind. Beteiligt daran waren Schulleitungen, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Städte und Gemeinden sowie der Schulträger.

Damit machen sechs Grundschulen aus Bischofsheim, Büttelborn, Ginsheim-Gustavsburg, Riedstadt, Stockstadt und Trebur sowie die IGS Mainspitze als erste teilnehmende Schulen im Kreis Groß-Gerau einen wichtigen Schritt in Richtung sichere und selbstständige Mobilität ihrer Schülerinnen und Schüler.  

Knapp ein Jahr Arbeit steckt in den fertiggestellten Plänen, die am Mittwoch vom Kreis Groß-Gerau gemeinsam mit der Gesellschaft für integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement (ivm) vorgestellt und offiziell an die Schulen und den Kreis übergeben wurden. Heike Mühlhans, Geschäftsführerin der ivm GmbH, lobte die Ergebnisse, die eine gute Basis für die weitere Arbeit an dieser Thematik seien. Die zum Termin gekommenen Schulleiterinnen beschrieben einzelne Projekte, die durch die Mobilitätspläne vorangetrieben wurden, und freuten sich durchweg, dass die Kontakte zu den Standortkommunen, zum Kreis, zu benachbarten Kitas, zur Polizei oder anderen beteiligten Einrichtungen ausgebaut werden konnten. 

Landrat Thomas Will dankte beim Übergabetermin im Landratsamt allen Beteiligten für ihren Einsatz. „Wir wollen frühzeitig die eigenständige Mobilität von Kindern und Jugendlichen fördern“, beschreibt er die Motivation des Kreises, sich aktiv an dem hessenweiten Beratungsprogramm zu beteiligen. „Eine Veränderung des Mobilitätsverhaltens hin zu mehr Fuß-, Tretroller- und Fahrradverkehr braucht eine adäquate und sichere Verkehrsinfrastruktur - aber genauso ein gutes schulisches Angebot zur Mobilitätsbildung und Verkehrserziehung. Auch die Eltern sind gefordert, ihre Kinder selbstständig gehen oder fahren zu lassen. Gerade jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie, haben wir gesehen, wie gut das Zufußgehen oder das Fahrradfahren für uns ist. Der ein oder andere hat sicher auch entdeckt, dass Bewegung an der frischen Luft Spaß macht.“  

Gerade die Grundschulen bieten aufgrund ihres Einzugsbereichs gute Voraussetzungen fürs Zufußgehen. An allen teilnehmenden Grundschulen sind die Wege für die Mehrzahl der Kinder kürzer als zwei Kilometer. Dennoch werden zwischen neun und 25 Prozent der Kinder einer Schule regelmäßig morgens mit dem Auto zur Schule gebracht. An der Georg-Mangold-Schule in Bischofsheim zum Beispiel mit rund 500 Schülerinnen und Schülern können so schon mal rund 95 Elterntaxis nahezu zeitgleich vorfahren. Zugeparkte Wege rund um die Schule und riskante Halte- und Wendemanöver vor den Schulen behindern Schülerinnen und Schüler, die zu Fuß, mit dem Roller oder dem Rad zur Schule kommen. Die Entzerrung der Verkehrssituation zu Stoßzeiten war daher ein zentrales Thema.  

„Die Schulmobilitätspläne umfassen bis zu 30 ineinandergreifende Sets an Maßnahmen aus den Bereichen Infrastruktur und Verkehrsregelung, Mobilitätsbildung und Verkehrserziehung sowie Organisation und Information und sind passgenau auf die jeweilige Schule und das Schulumfeld zugeschnitten“, fasst Heike Mühlhans, Geschäftsführerin der ivm, zusammen. Die Maßnahmen basieren auf den Ergebnissen von fachlich begleiteten Workshops, Ortsbegehungen und Mobilitätsbefragungen an den Schulen, in denen vor allem die Kinder und ihre Sichtweise im Mittelpunkt standen. Mit der fachlichen Begleitung war das Fachbüro Mobilitätslösung aus Darmstadt beauftragt.  

Erste Maßnahmen wurden bereits während des knapp einjährigen Prozesses umgesetzt. Insbesondere bei den Grundschulen steht die Förderung des Zufußgehens zur Schule im Vordergrund: etwa durch breitere Gehwege oder sichere und gut einsehbare Querungen von Straßen. Stellen, die für einen Erwachsenen übersichtlich sind, sind das noch lange nicht für Kinder, erläutert Heike Mühlhans: „Aufgrund ihrer Körpergröße wird ein parkendes Auto oder werden Mülltonnen auf Gehwegen zu einem Hindernis, über das Kinder nicht hinwegsehen können. Zu den Verbesserungen im Fußverkehr gehören daher die Beseitigung von Engstellen auf Gehwegen und das Herstellen und Aufzeigen sicherer Straßenquerungen, zum Beispiel durch Markierungen am Boden.“ 

In Stockstadt wurde so unter anderem ein Zigarettenautomat an einer Hauswand entfernt, der die nutzbare Gehwegbreite stark einschränkte und bei Kindern auch schon zu Verletzungen geführt hatte. In Riedstadt wird die Stadt gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern den „kleinen Goddelauer“ zeitnah einführen: eine Markierung auf dem Boden, der geeignete Stellen zum Queren einer Straße kennzeichnet. Bereits während der Projektlaufzeit wurde an einer Fußgängerampel die Grünzeit von sechs auf zehn Sekunden verlängert. An anderer Stelle wurden durch Markierungen auf der Straße ein Parken unmittelbar vor und nach Querungsstellen eingeschränkt.  

Aber auch die Schulen leisten ihren Beitrag, indem sie Mobilitätsbildung und Verkehrserziehung stärken. Vier Grundschulen haben bereits Mobilitätsbeauftragte benannt. Zudem wurden zur Stärkung von Laufgemeinschaften zu den Grundschulen Treffpunkte vorgeschlagen, die sich auch in den Schulwegplänen wiederfinden. Die Schulen können sich nun in einem nächsten Schritt mit den Verantwortlichen in den Kommunen zusammensetzen, um diese Treffpunkte durch Schilder, Markierungen am Boden oder von der Schülerschaft selbst gestaltete „Eyecatcher“ (Aufmerksamkeitsfiguren) sichtbar zu machen.  

„Mit unseren Schulwegplänen für Grundschulen als Druck- und Downloadversion haben wir jetzt ein Basisangebot geschaffen. Wir nehmen viele Ansätze aus dem Programm mit, damit wir für alle Schulen im Kreis Groß-Gerau passende Angebote entwickeln und Unterstützungsmöglichkeiten bieten können“, sagt Axel Lorenz, Fachdienstleiter Schulverwaltung. Er fügt abschließend hinzu, dass auch die Kreisverkehrswacht Groß-Gerau aktiv auf das Programm „Besser zur Schule“ im Kreis Groß-Gerau aufmerksam gemacht und die Projekte vor Ort unterstützt hat.  

Halten die neuen Pläne in ihren Händen (von links): Anika Posner, Leiterin der Erich-Kästner-Schule Klein-Gerau, Jacqueline Mager-Hoelzl, Leiterin der Grundschule Geinsheim, Rita Barthel, Leiterin der Gustav-Brunner-Schule Gustavsburg, Birgit Olschewski-Denk, stellvertretende Leiterin der IGS Mainspitze, Axel Lorenz, Fachdienstleiter Schulverwaltung, Anette Krauskopf, Konrektorin der Georg-Büchner-Schule Goddelau, Peggy Peil vom Fachdienst Schulverwaltung, Kerstin Klein, Leiterin der Gerog-Mangold-Schule Bischofsheim, Landrat Thomas Will, Heike Mühlhans, Geschäftsführerin ivm (Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain) und Sylvia Wiersing, ebenfalls ivm GmbH. 

 

Hintergrund ivm:

Die ivm hat die Aufgabe, Maßnahmen für ein integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement in der Region Frankfurt RheinMain zu entwickeln. Zusammen mit ihren Gesellschaftern – den Städten und Landkreisen der Region Frankfurt RheinMain, den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz sowie dem Rhein-Main-Verkehrsverbund – setzt sie diese gemeinsam um. Das Land Hessen hat im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen (AGNH) das Fachzentrum Schulisches Mobilitätsmanagement“ bei der ivm eingerichtet. Das Fachzentrum bietet Bausteine zur Beratung, Qualifizierung und Umsetzung im Bereich Schulisches Mobilitätsmanagement an. Alle Angebote des Fachzentrums können unter www.besserzurschule.de abgerufen werden. Die Projektlaufzeit des Beratungs- und Qualifizierungsprogramms beträgt maximal ein Jahr.

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