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150 Gäste bei Veranstaltung erlaubt

Kreis Groß-Gerau ordnet weitere Corona-Eindämmungs-Maßnahmen an

KREIS GROSS-GERAU – Nach einem Anstieg von Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den vergangenen Tagen hat der Verwaltungsstab des Kreises Groß-Gerau am Dienstag weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens beschlossen. Laut einer neuen Allgemeinverfügung sind im gesamten Kreis Groß-Gerau bis zum 30. August 2020 sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich nur noch Veranstaltungen mit höchstens 150 Personen (bislang 250) erlaubt. Zudem ist bei Zusammenkünften und Veranstaltungen im öffentlichen Raum eine Mund-Nasen-Bedeckung in allen Bereichen außer dem eigenen Sitzplatz zu tragen. Die Allgemeinverfügung tritt am 20. August 2020 in Kraft und gilt vorerst bis zum 30. August 2020.  

Außerdem gilt dann in Gaststätten und Übernachtungsbetrieben im Kreis wieder beim Betreten und Verlassen der Lokalität sowie für den Weg zum Tisch und zur Toilette eine Maskenpflicht. Auch gilt bei Veranstaltungen der Erwachsenenbildung und der Ausbildung das Abstandsgebot von 1,5 Metern. Wo der Abstand nicht eingehalten werden kann, muss eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. Der Landrat appellierte an die Menschen im Kreis, das aktuelle Infektionsgeschehen sehr ernst zu nehmen und sich vor allem auch an die Hygieneregeln zu halten. „Die Maßnahmen dienen einzig dem Schutz der Menschen im Kreis Groß-Gerau“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernent Walter Astheimer.  

Am Wochenende war der Kreis Groß-Gerau bei der wichtigen Infektionskennziffer der Sieben-Tage-Inzidenz über den kritischen Wert von 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage geklettert. Damit war Stufe 2 des fünfstufigen Eskalationskonzepts des Landes Hessen überschritten. Der Kreis rechnet in den kommenden Tagen mit einem weiteren Anstieg. Bereits am Montag hatte Landrat Will an allen Schulen im nördlichen Teil eine Pflicht zum Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen auch während des Präsenzunterrichts im Klassen- und Kursverband angeordnet. Zudem darf an den Schulen in Rüsselsheim, Raunheim, Kelsterbach, Bischofsheim und Ginsheim-Gustavsburg laut der entsprechenden Verordnung vorerst kein praktischer Schulsport erteilt werden. An die Schulen im Südkreis richtete sich der dringende Appell, sich den Vorsichtsmaßnahmen freiwillig anzuschließen. Auch sie gelten vorerst bis zum 30. August 2020.  

Hintergrund der Maßnahme: Nach Wegfall der Abstandsregelung in den Schulen sowie der Rückkehr zur Regelschule mit der ursprünglichen Klassengröße hält der Kreis einen Unterricht angesichts der steigenden Infektionszahlen ohne weitere Schutzmaßnahmen für zu riskant. Denn vor allem durch Reiserückkehrer aus Risiko- und Nicht-Risikogebieten sind laut Gesundheitsamt die Infektionszahlen im Kreis stark angestiegen. „Unter dieser Personengruppe befinden sich auch viele Familien mit schulpflichtigen Kindern. Auch etliche Schulkinder sind symptomlos infiziert. Allein in der vergangenen Woche haben sich über 700 Reiserückkehrer bei uns gemeldet“, berichtet Gesundheitsamtsleiterin Dr. Angela Carstens.  

Das Risiko, sich infiziert zu haben und an COVID-19 zu erkranken oder symptomlos andere anstecken zu können, bestehe auch bei negativer Testung weiterhin bis zu 14 Tage nach Verlassen des Urlaubsgebietes, so Dr. Carstens. Eine Infektion könne sich im Klassenraum schnell verbreiten. Einzelne Erkrankungsfälle würden dazu führen, dass über ganze Klassen einschließlich Lehrpersonal für zwei Wochen eine häusliche Quarantäne verhängt werden müsste. Dies gelte es zu vermeiden. Deshalb habe der Kreis am Montag Maskenpflicht und Verbot des Schulsports angeordnet. „Das Tragen von Masken im Unterricht sei eine präventive Maßnahme, um die Infektionsgefahr in der Schule so weit wie möglich zu reduzieren und durch den Kontakt im Unterricht keine engen Kontaktpersonen zu erzeugen“, so Astheimer.   

Auch nach dem Infektionsschutzgesetz sind Schülerinnen und Schüler laut Astheimer besonders zu behandeln. Erwachsene könnten sich selbst schützen, Kinder nicht, deshalb seien an der Schule diese Maßnahmen notwendig gewesen. Landrat Will: „Es besteht Schulpflicht. Der Besuch der Schule ist eine verpflichtende Sache. Wir sehen es als zentrale Aufgabe an, die Schüler hier so gut es geht zu schützen. Deshalb wurde die Maskenpflicht angeordnet. Aber mir ist klar, dass wir keiner Schülerin und keinem Schüler zumuten können, über Stunden dieselbe Maske zu tragen. Notwendig sind flexible Lösungen. Daran arbeiten wir. So sind Unterrichtszeiten im Freien denkbar, an denen die Mund-Nasen-Bedeckung abgenommen werden kann. Wichtig sind mehr Abstand im Klassenzimmer, aber auf längere Sicht auch wieder weniger Kinder zur gleichen Zeit im Präsenzunterricht. Wir brauchen ein intelligentes System von Präsenzunterricht am Vor- und Nachmittag – kombiniert mit Anteilen von Homeschooling.“  

Den Menschen im Kreis könnten allerdings weitere Einschränkungen des alltäglichen Lebens bevorstehen – falls die Zahl der Corona-Infizierten weiter ansteigt. „Wenn wir höhere Eskalationsstufen erreichen, werden wir wie aktuell in Offenbach auch zu schärferen Maßnahmen greifen müssen und zum Beispiel gesellige Zusammenkünfte wie Grillen und Picknick, private Feiern, Vereinssport oder Einkaufsverhalten stärker reglementieren“, sagten Will und Astheimer. „Das wollen wir alle nicht. Aber es liegt an den Menschen im Kreis Groß-Gerau selbst, dass die Situation sich nicht weiter verschärft“, so die beiden: „Jeder von uns hat es im Griff, einen eigenen Beitrag zu leisten, damit die Infektionszahlen wieder zurückgehen.“  

Und Astheimer und Will fügen hinzu: „Es ist nicht die Zeit, ausgelassen zu feiern. Ohnehin gilt auch bei den privaten Feiern das Abstandsgebot.“ Auch nach den Sommerferien bedeute Corona eine ernsthafte Gefahr: „Deshalb müssen wir uns weiter an die AHA-Regeln zu halten: Abstand, Hygieneregeln, Alltagsmasken – nur so werden wir gut durch diese schwere Zeit kommen.“  

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