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Zu späte Nachtflüge nicht akzeptabel

Fluglärmschutz auch 2019 zentrales Thema für den Kreis

KREIS GROSS-GERAU – Anfang Dezember 2018 verkündete das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung den Rückgang der verspäteten Landungen nach 23 Uhr am Frankfurter Flughafen. Minister Tarek Al-Wazir führte dies auf die strengen Kontrollen und Gespräche mit den Akteuren im Luftverkehr zurück.  

Der Groß-Gerauer Landrat Thomas Will ist dennoch skeptisch: „Es ist bekannt, dass im Winterhalbjahr weniger Touristenflüge abends landen. Wie aber soll im Sommerhalbjahr dafür Sorge getragen werden, dass die Belastung der Betroffenen nach 23 Uhr nicht mehr die Ausmaße von 2018 annimmt?“ Der im Dezember frisch beschlossene Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen sieht einen verlässlichen Schutz der Nachtruhe vor. „Der Kreis Groß-Gerau wird diese politische Zusage einfordern“, betont der Landrat.

Im Rhein-Main-Gebiet war im Jahr 2018 die Anzahl der verspäteten Nachtflüge trotz des bestehenden Nachtflugverbots von 23 bis 5 Uhr am Frankfurter Flughafen auffallend hoch. Besonders während der Hauptreisezeit von Mai bis Oktober führten Ferienflieger zu einem hohen Verkehrsaufkommen. Im Juni waren die Verspätungen mit 204 Landungen und 139 Starts nach 23 Uhr besonders häufig, während im November 19 verspätete Landungen und drei verspätete Starts gezählt wurden.

Es scheint fast so, als würden die Flugverspätungen zurückgehen. Dieser Schein könnte aber trügen. Denn nach Beobachtungen des Kreises Groß-Gerau ist die weitgehende Einhaltung des Nachtflugverbots im November auf den Beginn der Wintermonate zurückzuführen. Im Sommer hingegen führte neben wetterbedingten Verspätungen vor allem der meist zu eng getaktete Betriebsplan der Fluggesellschaften zur auffallend hohen Zahl verspäteter Flugbewegungen. Dabei besagt die Betriebsregelung, dass der Grund für einen verspäteten Flug außerhalb des Einflussbereichs einer Airline liegen muss.

Bei den Verspätungen im vergangenen Sommer wurde deutlich, dass dies nicht immer der Fall sein konnte. Denn werden die Landungen in den Randstunden von 22 bis 23 Uhr mit dem Vorjahr verglichen, gab es einen überproportionalen Anstieg von 37 Prozent. Auch die verspäteten Landungen zwischen 23 Uhr und Mitternacht sind im Schnitt höher als im Vorjahr: Im Jahr 2017 wurden pro Tag noch 2,8 Bewegungen gezählt, während für das Jahr 2018 eine Anzahl von 5,5 Verspätungen im Tagesdurchschnitt registriert wurde.

Der Luftverkehrsgipfel am 5. Oktober 2018 zeigte, dass die bestehenden, teilweise systemischen Probleme nicht einfach zu lösen sind. Die unterschiedlichen Verantwortlichen brauchen Zeit, um beschlossene Maßnahmen auch greifen zu lassen. Landrat Will bleibt daher skeptisch. Er rechnet damit und fürchtet, dass es auch während der Sommermonate 2019 verstärkt verspätete Flüge geben wird, die die Anwohner und Anwohnerinnen des Flughafens um den Schlaf bringen. Der Landrat  legt darum direkt nach: „Verspätete Nachtflüge in diesem Ausmaß sind nicht akzeptabel.“

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