Nachrichten_Einzelansicht

Infoveranstaltung FotoLandrat Thomas Will sprach bei der Veranstaltung zum Thema Fluglärm in Mainz zu den rund 150 Gästen. Foto: Kreisverwaltung

Infoveranstaltung zum Thema Fluglärm gut besucht

Gutachten untermauert Forderungen

KREIS GROSS-GERAU – Bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Zukunft Rhein-Main (KAGZRM) und der Landeshauptstadt Mainz im Bürgerhaus Mainz-Hechtsheim wurde über das Thema der gesundheitlichen Auswirkungen von Fluglärm sowie über Empfehlungen für strengere Lärmgrenzwerte diskutiert. Trotz EM und Sommerhitze fanden sich 150 interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Mainz, Rheinhessen sowie aus einigen hessischen Kommunen zu der Veranstaltung ein - sicherlich auch erklärbar mit dem hohen Leidensdruck, den das Thema Fluglärm bei vielen auslöst.

Nino Haase, Oberbürgermeister der Stadt Mainz, und Thomas Will, Landrat des Kreises Groß-Gerau und Vorstandsvorsitzender der KAGZRM, waren sich einig darüber, dass die Region ein echtes Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr braucht und dass es auch am Tag deutlich leiser werden müsste. „Wenn Schulhöfe Lernorte sein sollen, dann müsste es dort auch so leise sein, dass Kinder hier lernen können“, sagte Thomas Will. Auch herrschte Einigkeit darüber, dass Fluglärmschutz nicht am Rhein aufhören darf, sondern dass auch Mainz als Lärmschutzzone anerkannt werden sollte.

Die Gäste wurden nach ihren Erwartungen und Wünschen in Bezug auf die Veranstaltung und die Thematik befragt. Viele fühlen sich von Fluglärm stark belästigt, darunter auch Menschen, die bereits passive Schallschutzmaßnahmen, wie z.B. Lärmschutzfenster oder Lüfter nutzen. Prinzipiell besteht ein großes Interesse an einer Wiederaufnahme des passiven Schallschutzprogramms, das 2021 ausgelaufen ist. 

Prof. Dr. Rainer Guski von der Ruhr-Universität Bochum stellte wesentliche Ergebnisse aus dem neuen Gutachten mit dem Titel „Aktualisierung der Evaluierung der Forschungsergebnisse zur Wirkung von Fluglärm auf den Menschen“ vor. Die Forschenden kamen zu dem Ergebnis, dass das derzeitige Fluglärmschutzniveau nicht ausreicht, um schwere Krankheitsverläufe bei Fluglärmbetroffenen zu reduzieren oder zu verhindern. Fluglärm begünstigt nachweislich die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen und sogar Depressionen. Das Gutachten wurde vom Fluglärmschutzverein Rhein-Main e.V. mit dem Ziel in Auftrag gegeben, daraus Handlungsempfehlungen für die Überarbeitung des Fluglärmschutzgesetzes abzuleiten.

Die Untersuchung brachte eine Empfehlung für neue Lärmgrenzwerte hervor, die deutlich unter den aktuell gültigen Werten liegen. Sollten die vorgeschlagenen niedrigeren Grenzwerte Eingang ins Fluglärmschutzgesetz finden, würden sich die Lärmschutzzonen ausweiten und mehr Menschen könnten Ansprüche auf passiven Schallschutz geltend machen, sollte das Programm wiederaufgelegt werden.

An den Vortrag schloss sich eine von Stefanie Heng-Ruschek (shr moderation) geleitete Diskussionsrunde mit Prof. Dr. Rainer Guski, Manfred Ockel (Bürgermeister Kelsterbach, KAGZRM-Vorstand), Janina Steinkrüger (Beigeordnete, Dezernentin für Umwelt, Grün, Energie und Verkehr, Mainz, KAGZRM-Vorstand) und Paul-Gerhard Weiß (Stadtrat Offenbach a. Main, Vorsitzender der Fluglärmkommission) an. Es wurde u.a. über die Frage diskutiert, welche politischen Handlungsoptionen bestehen, um den Fluglärmschutz spürbar zu verbessern.

Der KAGZRM-Vorstand stellte in diesem Kontext ein neues Forderungspapier für einen verbesserten Schutz vor Gesundheitsgefahren durch Fluglärm vor, das sich auf die von Prof. Dr. Guski et al. empfohlenen Grenzwerte stützt. Der Vorstand ist sich einig darüber, dass es zu Gesetzesänderungen kommen muss, damit sich die Fluglärmsituation spürbar verbessert.

Zu den Forderungen der KAGZRM zählen ein absolutes Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr, die Änderung des Luftverkehrsgesetzes hinsichtlich des Vorrangs des aktiven Schallschutzes, die Novellierung des Fluglärmschutzgesetzes mit Absenkung der Lärmgrenzwerte, Anpassungen der Regelungen für baulichen Schallschutz für eine höhere Nutzungsquote, die Nachbesserung des Fluglärmschutzkonzeptes des Flughafens sowie die Erweiterung der Lärmschutzbereiche und eine wirksame Lärmobergrenze. Das Forderungspapier soll nun in die politische Debatte auf landes- und bundespolitischer Ebene eingebracht werden.

Janina Steinkrüger appellierte zum Abschluss an die Bürgerinnen und Bürger, sich weiter für den Fluglärmschutz zu engagieren, an den Montagsdemos teilzunehmen, die Forderungen der KAGZRM mitzutragen und den Druck auf die Politik zu erhöhen. Das KAGZRM-Forderungspapier für einen verbesserten Fluglärmschutz ist hier einzusehen.