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Gruppenbild am Ende der Feierstunde: Zu sehen sind (von links) Herbert Fückel, Markus Kölsch, Henner Gonnermann, Kai Dickhaut, Hildegard Saltzer, Christian Wieser, Landrat Thomas Will und Volker Sperfechter.       Foto: Kreisverwaltung

Feierstunde für verdiente Menschen

Landrat ehrt sieben ehrenamtlich außerordentlich aktive Bürger*innen

KREIS GROSS-GERAU – In der ersten Feierstunde des Jahres 2024 am Freitag, 19. Januar, überreichte Landrat Thomas Will Urkunden an sechs Männer und eine Frau, die sich um den Kreis Groß-Gerau verdient gemacht haben. Das Bundesverdienstkreuz erhielt der frühere Groß-Gerauer Forstamtsleiter Henner Gonnermann (Marburg). Landesehrenbriefe erhielten Hildegard Saltzer (Gernsheim), Herbert Fückel (Trebur) sowie Volker Sperfechter und Christian Wieser aus Groß-Gerau. Die Riedstädter Kai Dickhaut (Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze) und Markus Kölsch (Feuerwehrehrenkreuz in Silber) wurden für ihr Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr ausgezeichnet. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde im Landratsamt in bewährter Weise vomTrio Tastenstreich.

„Die Rolle des Ehrenamts kann nicht genug betont werden. Ohne die Arbeit der Aktiven wären zum Beispiel Brandschutz, Umweltschutz, Sport im Verein, Vereinswesen allgemein, Kommunalpolitik, Karneval oder Kirche gar nicht denkbar“, sagte der Landrat. „Ich bin froh, dass es überall im Kreis Groß-Gerau überragende Beispiele für Gemeinsinn und soziales Engagement gibt.“ Die Ehrenamtlichen seien Vorbilder, die das Vertrauen erzeugen, das eine Gesellschaft braucht, um zu funktionieren: „Mit ihrem Engagement sind Sie nicht nur für den Zusammenhalt unendlich wichtig. Wir vertrauen Ihnen, weil Sie über viele Jahrzehnte fachliche und soziale Kompetenz in ganz unterschiedlichen Themenfeldern an den Tag gelegt haben“, sagte Thomas Will. 

Ehrenamt ist nicht immer nur Zuckerschlecken. Ehrenamt macht, genau wie Politik, viel Arbeit, so der Landrat. Aber gemeinsam die Herausforderungen dieser Tage zu bewältigen, Ängste vor Veränderungsprozessen zu nehmen, Menschen für eine Sache zu begeistern - das sei eine spannende, erfüllende Aufgabe. Eine Aufgabe, die auch Henner Gonnermann angenommen hat.

Mit 28 Jahren war Henner Gonnermann der jüngste Forstamtsleiter in Hessen: 1970 übernahm er das für den Mittel- und Südkreis zuständige Forstamt Groß-Gerau und führte es bis zu seinem Ruhestand 2006. „1941 als Sohn eines Forstamtsleiters geboren, haben Sie sich Ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: In den 36 Berufsjahren waren Sie neben ihrem Beruf (oder mit Ihrem Beruf eng verwoben) stets aktiv und in Verbänden engagiert. In Umweltverbänden wie dem BUND, beim erfolgreichen Protest gegen Raffinerie- und Kraftwerkbau in den Rheinauen, aktiv gegen übertriebene Wasserförderung im Ried, für den Erhalt der Wälder im Ried, gegen die Startbahn West. Und maßgeblich beteiligt an der Ausweisung des Kühkopfs als autofreies Naturschutzgebiet und Europa-Reservat sowie der Einrichtung des Naturschutz-Infozentrums Stockstadt“, lobte der Landrat - und nannte weitere Stationen des Geehrten: von 1981 bis 2005 Vorsitzender des Naturschutzbeirats Groß-Gerau; seit 2016 Mitglied des Klimaschutzbeirats im Kreis Marburg-Biedenkopf. 1979 bis 2018 war er im Vorstand des Kreisverbandes BUND als Sprecher, Beisitzer, Schriftführer. 2020 verlegte er die BUND-Vorstandstätigkeit nach Marburg, wo er seit seinem Ruhestand lebt.

Besonders hervorzuheben, so Thomas Will, sei das Engagement Gonnermanns für das Zusammendenken von Klimaschutz und erneuerbaren Energien mit allen Belangen des Umwelt- und Naturschutzes. Er habe viele Jahre in Arbeitskreisen auf kommunaler Ebene wie auf Landesebene gewirkt. In seinen Dankesworten wies Henner Gonnermann auch auf den bürokratischen „Hürdenlauf“ hin, der es erst ermöglicht habe, dass er das Bundesverdienstkreuz jetzt am Ort seiner früheren Wirkungsstätte erhalten konnte.

Die weiteren Geehrten:

Hildegard Saltzer wurde im April 1993 Stadträtin in Gernsheim. Mehr als 30 Jahre später hat sich die Rentnerin vor wenigen Monaten aus dem Magistrat verabschiedet. Das Amt der städtischen Seniorenbeauftragten, das sie seit 2016 ausübt, wird sie noch behalten. Auch im Heimbeirat von „Haus Rheinaue“ wird sie weiterhin wirken. Sich politisch zu engagieren und vertrauensvoll parteiübergreifend zu wirken, war ihr stets ein wichtiges Anliegen, als Mitglied in verschiedenen Kommissionen bei der Stadt Gernsheim ebenso wie auf Kreisebene. Mitglied des Kreistags war sie von 2004 bis 2021 und ebenfalls in zahlreichen Ausschüssen, Beiräten und Kommissionen aktiv. Von Wirtschaftsförderung, Regionalplanung bis hin zum Sozialausschuss, Altenhilfebeirat oder bürgerschaftlichen Engagement reichten die Themen. Der Landrat erwähnte auch Hildegard Saltzers Tätigkeit in der Kirchengemeinde St. Maria Magdalena: Lektorin, Kommunionhelferin, Mitglied des Pfarrgemeinderats, Aktivität bei der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland kfd. Legendär sei ihr Einsatz bei der Frauenfastnacht, geschätzt seien ihre Büttenreden und Moritat-Gesänge.

Das Deutsche Feuerwehrkreuz in Silber hat Herbert Fückel seit 1994, das Goldene Brandschutzehrenabzeichen am Band für 50 Jahre aktiven Dienst seit 2022. Den Bürgerpreis der Gemeinde Trebur bekam er schon 1995, seit 2014 ist er Ehrenvorsitzender des Gesangvereins MGV Mozart. Herbert Fückel, gelernter Werkzeugmacher, ist ein Vereinsmensch, wie er im Buche steht. Nie hat er sich weggeduckt, wenn es etwas zu erledigen galt. Führungsaufgaben hat er bei der Feuerwehr Trebur (Mitglied seit 1970) ebenso übernommen wie beim MGV Mozart (aktiver Sänger seit 1976). Er war Organisator beim Verfassen der MGV-Festschrift 2005, ist seit 2011 zuständig für die Sängerheimvermietung, kümmert sich seit 2015 ums Vereinsarchiv und um Veranstaltungen. Bei der Feuerwehr war er von 1987 bis 2000 Fachberater Brandschutz im Katastrophenstab des Kreises; jetzt ist er Betreuer der Altersabteilung. Engagiert hat sich Herbert Fückel auch im Ortsvereinsring Trebur, bei den Altkerweborsch, in der evangelischen Kirchengemeinde (bis heute zuständig fürs Archiv) sowie für den Sportkreis. Seit 2015 ist er der Archivbeauftragte des Sportkreises. Zum 75. Geburtstag des Sportkreises hat er die Wanderausstellung auf die Beine gestellt.

Eine tragende Stütze für den Turnverein 1846 Groß-Gerau mit seinen gut 2000 Mitgliedern ist Volker Sperfechter seit Jahrzehnten, seit 1975 ist er dort aktiv. Er war Gründungsmitglied der Tischtennis-Abteilung sowie der Tauchsportabteilung. Das Organisieren von Ausflügen und Tauchfahrten im In- und Ausland sowie von Veranstaltungen gehören zu seinem ehrenamtlichen Engagement. Als Jugendwart (1987 bis 1992), stellvertretender Vorsitzender (2001 bis 2005) und Sprecher der Sport AG hat er an leitender Stelle im Verein mitgewirkt.

Herausragend ist sein kommunalpolitischer Einsatz: Seit 1994 gestaltet er als Stadtverordneter die Geschicke der Kreisstadt mit, seit 2004 sitzt er dem Kultur- und Sportausschuss vor, stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher ist er zurzeit obendrein. Zudem urteilt er als Schöffe heute beim Amtsgericht Groß-Gerau (anfangs beim Landgericht Darmstadt) mit Berufsrichter*innen gemeinsam über Schuld und Unschuld der Angeklagten und gegebenenfalls über das Strafmaß.

Ebenso lang wie Volker Sperfechter mischt auch Christian Wieser in der Kommunalpolitik der Kreisstadt mit. Mit ihm hat er als Stadtverordneter begonnen, 1994 war das. Verantwortung hat Christian Wieser gern übernommen. Ende der 1970er Jahre führte er den Ortsverband Wallerstädten, später den Stadtverband Groß-Gerau. 2021 wurde er einstimmig erneut zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt – er hatte das Amt bereits von 2011 bis 2016 ausgeübt.

Christian Wieser hat sich nicht nur politisch engagiert: Als Kassenwart der Kollektenkasse war er von 2002 bis 2021 bei der Evangelischen Kirchengemeinde Wallerstädten engagiert; zwei Jahre war er zudem als Vorsitzender des Benennungsausschusses zur Kirchenvorstandswahl aktiv. Christian Wieser dankte bei der Entgegennahme der Auszeichnung seiner Frau und seiner Familie, ohne die er sein gesellschaftliches Engagement nicht in der beschriebenen Art hätte zeigen können.

Das Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze überreichte der Landrat an Kai Dickhaut, der seit Anfang der 1990er Jahre mit der Feuerwehr verbunden ist. Mit vier Jahren Jugendfeuerwehr von 1993 bis 1997 begann es. Seit 1997 ist er einer von 250 Mitgliedern der Einsatzabteilung in den fünf Stadtteilwehren in Riedstadt. Von 2007 bis 2013 war er stellvertretender Wehrführer in der Feuerwehr Leeheim, seit 2011 ist er stellvertretender Stadtbrandinspektor Riedstadt.  Mit seiner ruhigen, besonnenen Art geht Kai Dickhaut strukturiert und organisiert an die Aufgaben heran. Er trifft Entscheidungen, lässt keine Dinge offen – auch die unangenehmen nicht. Ihm geht es immer „um die Sache“. Dass der Chef über den Vize sagt, er kenne wenige Menschen, mit denen die Zusammenarbeit so reibungslos funktioniere, ist ein Lob, das der Landrat gern weitergab.

Drei Jahre vor seinem Vize hat der Chef, Markus Kölsch, die Jugendfeuerwehr-Zeit durchlaufen, von 1990 bis 1993. Seitdem gehört er der Einsatzabteilung der Feuerwehr an. Von 2008 bis 2019 war er Wehrführer in der Feuerwehr Riedstadt-Erfelden. Und seit 2010 ist er Stadtbrandinspektor in Riedstadt – und in dieser Funktion ein wichtiger Ansprech- und Gesprächspartner auch der Gefahrenabwehr des Kreises. Markus Kölsch ist jemand, der „Feuerwehr lebt“, wie es so schön heißt. Er gehört zu jenen, die den Mut haben, im Brandschutz neue Wege zu gehen. Professionalität ist ihm sehr wichtig – das ist wichtig angesichts der sich verändernden Herausforderungen, so der Landrat. Und es zeichnet ihn aus, dass er die Gemeinschaft in den Wehren pflegt. Schließlich leisten die Feuerwehrleute einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit in der Stadt und im gesamten Kreis.