
Gruppenfoto im Anschluss der Preisverleihung: von links Dr. Marta Wachowiak, Leiterin Fachdienst Klimaschutz, Prof. Sebastian Herold, Hans-Josef Fell, Preisträger*innen mit Vertretern der Jury sowie Erster Kreisbeigeordneter Adil Oyan. Foto: Kreisverwaltung Groß-Gerau
Energiewende: Wo Fakten zählen
KREIS GROSS-GERAU – Die Energiewende ist komplex: Neben Erneuerbaren Energien für Strom und Wärme geht es um Speicher, Energieeffizienz, Digitalisierung und nicht zuletzt um zahlreiche Wechselwirkungen. Die Argumente um die Energiewende sind vielseitig, oft unübersichtlich und manchmal undurchsichtig. Genau hier setzte das Klimasymposium 2025 des Kreises Groß-Gera „Faktencheck Energiewende“ an: Es deckte Mythen, Halbwahrheiten und Falschinformationen auf – und zwar auf verständliche Art.
Der Fachdienst Klimaschutz hatte dazu eingeladen und Vorträge sowie die Preisverleihung zum Energiewettbewerb 2025 im Landratsamt Groß-Gerau organisiert. Rund 80 Teilnehmer*innen waren bei der Veranstaltung dabei.
Der Erste Kreisbeigeordnete des Kreises Groß-Gerau, Adil Oyan, begrüßte und betonte, dass rund 85 Prozent der Treibhausgase energiebedingt seien. Er unterstrich: „Abwarten ist keine Option mehr, denn 2024 ist die globale 1,5-Grad-Marke erstmals überschritten worden.“ Laut Oyan ist die Energiewende nicht nur ökologisches Muss, sondern auch wirtschaftlicher Motor: In Deutschland seien bereits rund 400.000 Menschen in der Branche tätig – Tendenz steigend.
Weiter ging es mit Vorträgen zweier ausgewiesener Experten, vorgestellt vom Moderator Christian Döring: Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell, Autor des EEG-Entwurfs 2000 und Präsident der Energy Watch Group, motivierte mit einem engagierten Vortrag. Gleich zu Beginn wies er darauf hin, dass dort, wo Erdöl und Erdgas ist, meist auch Krieg sei – 100 Prozent Erneuerbare Energien dagegen schüfen Frieden. Laut Fell hätten „Scheinlösungen für den Klimaschutz“ wie – so Fell – Atomkraft, blauer Wasserstoff und CCS den Klimaschutz vielmehr verhindert. Auch die Abhängigkeit von China, z. B. bei PV-Modulen, sei ein Problem. Hans-Josef Fell hatte aber auch gute Nachrichten: In Deutschland seien etwa 70 Prozent der Erneuerbaren Energien in der Hand von Bürgerinnen und Bürgern, Strom aus erneuerbaren Energien sei bereits heute regelmäßig günstiger und erneuerbarer Strom stärke zudem die Stabilität des Stromnetzes.
Anschließend referierte der Darmstädter Professor für Energiewirtschaft Sebastian Herold: Wie sieht das Gesamtsystem der Zukunft aus? Laut Herold anders als heute. Klimaschutz, Energiewende und Digitalisierung würden es verändern, Erneuerbare Energien ansteigen, aber fossile Energien auch 2045 noch eine Rolle spielen. Der Professor wies zugleich auf den voraussichtlich steigenden Strombedarf für Wärme und Mobilität hin und skizzierte die Notwendigkeit von Speichern und Netzflexibilisierung. Beim Thema Wasserstoff würden laut Herold Importe zukünftig die größere Rolle spielen.
Der Professor schlussfolgerte, dass eine technisch und wirtschaftlich erfolgreiche Energiewende die beste Werbung für den Klimaschutz sei. Anschließend stellten sich die beiden Referenten und Adil Oyan Fragen und Diskussion. Kritisch reflektiert wurde unter anderem, ob und wann sich die verlustreiche Umwandlung von Strom in Wasserstoff lohnt.
In der zweiten Hälfte folgte die Preisverleihung zum sechsten Energiewettbewerb des Kreises. Adil Oyan übergab die Urkunden und als Preise Baumarktgutscheine. Wie in den Vorjahren wurden wieder beeindruckende Beiträge prämiert – dieses Mal sechs an der Zahl: Das Unternehmen Coreum aus Stockstadt am Rhein hat mit einem innovativen, klimarobusten Baumhain einen besonderen Ort für Mensch und Tier geschaffen. In der Kategorie Privatpersonen ging der erste Platz an Rene Hemmerle aus Mörfelden-Walldorf, der zweite nach Nauheim an Tobias Schmidt und die Wohnungseigentümergemeinschaft Schmidt, der dritte Platz an Anika Bergmann, Stockstadt am Rhein, ein weiterer dritter Platz an Bettina und Dr. Dirk Martin aus Bischofsheim und der Sonderpreis an Uwe und Christiane Maier, Ginsheim-Gustavsburg.
Mehr über die Beiträge und das Video zum Klimasymposium gibt es auf der Klima-Website des Kreises: https://klima.kreisgg.de/klima-im-kreis-gg/klimasymposium/.
Das Klimasymposium wurde vom Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat gefördert.