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Vorgehen völlig unverständlich

Landrat Will und EKBO Astheimer zur Opel-Übernahme-Debatte

OPEL im Kreis Groß-Gerau

KREIS GROSS-GERAU – Meldungen über eine mögliche Großübernahme des Rüsselsheimer Autobauers Opel durch den französischen Autokonzern Peugeot haben auch im Groß-Gerauer Kreishaus Überraschung und Bestürzung ausgelöst. „Natürlich machen wir uns in erster Linie Sorgen um die vielen Arbeitsplätze in Rüsselsheim und um die Zukunft des Automobilstandorts Rüsselsheim, der für die wirtschaftliche Entwicklung des Kreises Groß-Gerau extrem wichtig ist“, sagten Landrat Thomas Will und der Erste Kreisbeigeordnete Walter Astheimer jetzt in einer Stellungnahme.

 Am Dienstag war bekannt geworden, dass der US-Autobauer General Motors einen Verkauf seiner deutschen Tochter sondiert. Dass die beiden Unternehmen vorab weder Betriebsrat, IG Metall oder Bundes- und Landesregierungen über die Pläne informiert hätten, finden Will und Astheimer „absolut unverständlich und völlig inakzeptabel“. Opel hat Medienberichten zufolge rund 38.000 Mitarbeiter in Europa, davon mehr als die Hälfte an den drei deutschen Standorten Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern.

 „Die Politik im Kreis Groß-Gerau weiß um die herausragende Bedeutung der Automobilindustrie für die gesamte Region Rhein-Main und Rhein-Neckar und natürlich auch für unseren Kreis Groß-Gerau“, sagte Will, der zugleich auch Schirmherr des Automotive-Clusters RheinMainNeckar ist. Das Cluster wurde im September 2003 vom Kreis Groß-Gerau und der IHK Darmstadt gegründet.

 „Im Automotive-Cluster arbeiten wir zu Themen wie Innovation, Automation, Projektmanagement oder Fachkräfterekrutierung zusammen. Hier werden Kontakte zwischen Firmen aus verschiedenen Ländern organisiert, wettbewerbsfähige Kooperationen auf den Weg gebracht, das Wissen der Region in Sachen Automobilzulieferung gebündelt“, sagte Will: „Die Dichte an Zulieferunternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen mit Automotive-Bezug sucht ihresgleichen und generiert immer wieder aufs Neue internationale Wettbewerbsfähigkeit.“ Der Kreis Groß-Gerau habe sich zur „Auto-Region“ entwickelt.

 „Was wird bei einem möglichen Zusammengehen mit Peugeot aus dem exzellenten Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim?“, fragt Landrat Will.  Will selbst ist zeitlebens mit dem Unternehmen in Rüsselsheim verbunden. „Ich habe vor sieben Jahren bei der Krise von Opel an der Seite der Arbeitnehmer gestanden und für den Fortbestand des Unternehmens gekämpft. Ich komme aus der Region, ich habe nie eine andere Automarke als Opel gefahren. Schon mein Vater und mein Großvater haben bei Opel gearbeitet, ich habe mich über wirtschaftliche Erfolge gefreut und bei Rückschlägen mitgelitten. Das hat mich natürlich sehr geprägt. Klar ist: Alles, was der Kreis tun kann, um den Automobilstandort Rüsselsheim zu stärken, werden wir tun.“   

 „Es ist schlimm, dass Opel wieder zum Spielball von Spekulationen wird und die Mitarbeiter in Rüsselsheim wieder um ihre Arbeitsplätze bangen müssen“, sagten Will und Astheimer. Den Kreisbeigeordneten empört vor allem, dass erste Gespräche über eine mögliche Übernahme offenbar an IG Metall und Betriebsrat vorbei geführt wurden. „So ein Zusammenschluss geht nicht ohne Beteiligung der Mitarbeiter“, sagte Astheimer. Ihn habe die Nachricht „kalt erwischt“ und „sehr verärgert“: „So kann und darf ein Unternehmen nicht mit seinen Mitarbeitern umspringen“, sagte Astheimer. „Für wirtschaftliche Einschätzungen und Prognosen ist es heute noch zu früh, wir werden die weitere Entwicklung abwarten müssen“, sagte Astheimer.