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Naturland-Produkte aus Crumstadt

Bio-Höfe in der Ökolandbau Modellregion Süd

Tobias Hebermehl Foto: Christoph Assmann

KREIS GROSS-GERAU – Wenn sich drei staatlich geprüfte Betriebswirte der Fachrichtung Agrarwirtschaft der Biolandwirtschaft verschrieben haben, dann ist davon auszugehen, dass sie sich ausgerechnet haben, dass es dafür einen wachsenden Markt gibt. Die Familie Hebermehl vom Werrngässer Hof in Riedstadt gehört zu den Bio-Pionieren im Kreis Groß-Gerau, denn sie hat bereits im Jahr 2005 mit der Umstellung begonnen. Zunächst nur auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche. 15 Jahre später sind daraus stolze 132 Hektar geworden. 

Der Anstoß für die Umwandlung von konventioneller zur Bio-Landwirtschaft kam von der Erzeugergemeinschaft, der sich die Eheleute Claudia und Volker angeschlossen hatten. Diese hatte festgestellt, dass es einen Bedarf an Kräutern gibt - und der wurde dann von Hebermehls gedeckt. Bis heute gehören Kresse, Schnittlauch, Schnittknoblauch und die Winterheckenzwiebel zu den Spezialitäten des Hofes - alles produziert ohne Chemie, dafür mit viel Handarbeit bei der Bodenbearbeitung. Das Unkraut wird nicht weggeduscht, sondern weggehackt. Von April bis September helfen dabei auch Saisonarbeiter. Außerdem werden auf dem Werrngässer Hof noch Buschbohnen, Kartoffeln, verschiedene Getreidesorten, Zuckerrüben, Luzerne und der hübsche blaue Bienenfreund (Phacelia) angebaut. 

Die Betriebsleitung haben die Eltern vor einem Jahr ihrem Sohn Tobias übertragen. Der hat schon während seiner Ausbildung in einem Biobetrieb gearbeitet und ist in dieser Zeit in seiner Überzeugung gestärkt worden, dass dies auch in seiner Region der richtige Weg ist. Seine Eltern unterstützen ihn dabei. Beide Familien leben in enger Nachbarschaft zu den neuen Betriebsgebäuden, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Früher war das Unternehmen mitten im Riedstädter Stadtteil Crumstadt angesiedelt. Jetzt hat es die Adresse Werrngässer Hof 1 und ist im Umkreis gut bekannt. Gearbeitet wird nach den Richtlinien von „Naturland“, die viel strenger sind als die Bionormen, die in der EU verlangt werden. Zudem tragen die Produkte der Hebermehls das offizielle Siegel des Landes „Bio aus Hessen“.  

Aus all diesen Gründen ist für das etablierte Unternehmen die Ökolandbau Modellregion Süd als Aufbauhilfe nicht mehr so wichtig wie für Betriebe, die erst am Anfang der Umstellung stehen oder Entscheidungshilfe brauchen. Dennoch wünschen sich die Bio-Landwirte aus Crumstadt, dass Bund, Land und das Projektteam der Ökomodellregion Aufklärung betreiben und den Konsumenten die Vorteile ökologischer Landwirtschaft für die Natur im Allgemeinen und für die Region im Besonderen immer wieder deutlich machen. Angesichts des Klimawandels mit zunehmender Trockenheit ist verstärkte Bewässerung der Anbauflächen nötig, was die Kosten – wie in der konventionellen Landwirtschaft auch – nach oben treibt. Wenn die Produkte dann ein paar Cent mehr kosten, sei es umso wichtiger, dass die Verbraucher den Nutzen der ökologischen Bewirtschaftung kennen. 

Hebermehls setzen sich zudem für die Biologische Landwirtschaft ein, weil sie hoffen, dass auch andere Landwirte einen ähnlichen Weg einschlagen - und damit der Umwelt wie auch dem Boden Gutes tun. „Durch die organische Düngung sowie konsequenten Zwischenfruchtanbau steigt der Humusanteil im Boden. Dies führt zu einer verbesserten Wasserspeicherfähigkeit und einer erhöhten Kohlendioxid-Speicherung im Boden“, sagt Tobias Hebermehl.  

Landwirtschaftlichen Betrieben, die darüber nachdenken, auf Bio umzustellen, rät er: „Wenn jemand biologisch wirtschaften will, muss er selbst voll und ganz davon überzeugt sein. Wichtig ist, dass man sich vor der Umstellung schon um die Vermarktung kümmert und sich einen Verband sucht, der den Betrieb auf dem Weg in die Umstellung begleitet. Der Umstieg von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft ist nicht leicht. Es ist ein langwieriger Prozess, der vollste Aufmerksamkeit und großes Engagement erfordert.“ Für Familie Hebermehl hat sich dieser Prozess bisher gelohnt.

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